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Samstag, 12. April 2014

Wissenschaft von Rechts

26.03.2014: Interview von rbb mit Steffen Käthner, BdWi-Geschäftsführer

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg nahm die Präsentationsveranstaltung des neuen Studienhefts "Wissenschaft von Rechts" am 22.03. in Berlin zum Anlass, um mit Steffen Käthner ein Interview zu den Themen "Rechte Wissenschaft?", "Rechte und rechte Netzwerke an den Hochschulen" und "Rechte Ideologiebildung in Vergangenheit und Gegenwart" zu führen.
Das Interview zum Mithören in der rbb Mediathek.

Quelle: http://www.bdwi.de/bdwi/nachrichten/7456905.html

Montag, 7. April 2014

BlockaDO – Gemeinsam gegen Nazis

Auszug aus dem Plakat zum 1. MaiAufruf des Bündnis BlockaDo zum 1. Mai zur gemeinsamen Aktionen gegen Neonazis in Dortmund:

Wieder einmal wollen Nazis in Dortmund aufmarschieren. Dieses Mal hat die Partei „Die Rechte“ eine Demo für Donnerstag, den 1. Mai, angemeldet. Wir rufen dazu auf, den Naziaufmarsch zu blockieren.

Es ist ein unerträglicher Zustand, wenn es Neonazis immer wieder möglich ist, ihre menschenverachtende Ideologie ungestört zu artikulieren; wenn sie dort, wo sich Menschen begegnen, ihre ausgrenzende Volksgemeinschaft propagieren können. Wir werden das nicht weiter zulassen.
Bereits in der Vergangenheit hat es Versuche gegeben, die Demonstrationen der Neonazis zu stören oder zu verhindern. Dieses Jahr soll es mit neuer Kraft in einem großen, spektrenübergreifenden Bündnis gelingen, die Demonstration der Neonazis durch Sitzblockaden zu verhindern. Die einzelnen Teile des Bündnisses haben ganz unterschiedliche gesellschaftspolitische Hintergründe, doch alle am Bündnis beteiligten eint ein Ziel: Wir wollen den Aufmarsch am 1. Mai effektiv blockieren!

»Duisburg, mon Amour«?! - Gegen die rassistischen und antiziganistischen Zustände!


PlakatUnter dem Motto “»Duisburg, mon Amour«?! – Gegen die rassistischen und antiziganistischen Zustände” werden am 30.04.2014 antifaschistische und antirassistische Gruppen aus NRW in Duisburg demonstrieren.

Die Veranstaltung wird um 18.00 am Hauptbahnhof (Portsmouthplatz) beginnen und durch die Innenstadt und Neudorf führen. Johanna Haldemann, Sprecherin des Organisationsbündnisses, erklärt zur Wahl des Datums: “Wir wollen am Vorabend des 1. Mai und knapp drei Wochen vor den Kommunal- und Europawahlen den grassierenden Antiziganismus und Rassismus in Duisburg in Visir nehmen. Für den 1. Mai haben bekanntlich sowohl die rechtspopulistische Kleinpartei “PRO NRW” als auch die nazistische NPD rassistische Aufmärsche in Duisburg angemeldet, welche als “Wahlkampfhöhepunkte” dienen sollen. Diese Provokationen wollen wir nicht unkommentiert lassen.”
Weiter erklärt Haldemann: “Doch nicht nur rechtsradikale Gruppierungen sind für die rassistische Stimmung in der Stadt verantwortlich, welche sich seit zwei Jahren entwickeln konnte. Auch Stadtverwaltung, Polizei und Lokalpolitik agieren und äußeren sich immer wieder rassistisch. Unsere Demonstration richtet sich daher explizit auch gegen den Antiziganismus und Rassismus der “bürgerlichen Mitte”, weshalb im Rahmen der Demonstration mehrere Zwischenkundgebungen an Orten stattfinden werden, von denen aus antiziganistisch und rassistisch agiert oder gehetzt wurde – so unter anderem auch vor dem Rathaus.”

Abschließend erläutert Haldemann zum Anliegen der Demonstration: “Die alltägliche Hetze von “ganz normalen Bürger*innen”, Mordaufrufe in sozialen Netzwerken, das Verhalten der Stadtführung und Polizei, der Zulauf den rechtsradikale Gruppierungen erfahren – alle genannten Phänomene bedingen einander. Mit der Demonstration am 30. April wollen wir die skandalösen Zustände in Duisburg benennen und deutlich machen, dass wir ebendiese jetzt und in Zukunft nicht unwidersprochen hinnehmen werden!”

In den nächsten Wochen werden in verschiedenen Städten Mobilisierungsveranstaltungen für die Demonstration stattfinden.

Quelle: Duisburg monamour, 28.03.14

Auf den Spuren des Kapp-Putsches

Die Bochumer Geschichtswerkstatt lädt am Samstag, den 12. April zu einer Radtour „auf den Spuren des Kapp-Putsches und der Märzrevolution im Jahr 1920“ ein. Zunächst geht es mit dem Zug von Bochum nach Dinslaken. Die Tour führt dann durch das damaliger Frontgebiet über die heftig umkämpfte Festung Wesel nach Hünxe. Auf dem Weg werden Orte des Kampfes und Erinnerungsstätten aufgesucht, wie der Gedenkstein auf dem Kommunalfriedhof in Dinslaken sowie der Gedenkstein auf einem Massengrab in Hünxe-Bruckhausen aufgesucht.
Der historische Hintergrund des Geschehens: Am Morgen des 13. März 1920 zog die ”Brigade Erhardt“ mit schwarz-weiß-roten Fahnen und Hakenkreuzen am Stahlhelm durch das Brandenburger Tor bis zum Regierungsviertel, um die noch junge Weimarer Republik zu beseitigen. Die damalige Reichsregierung musste fliehen. Vor ihrer Flucht hatte sie noch zum Generalstreik aufgerufen, dem ungefähr 12 Millionen Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland folgten. Zur Abwehr Kapp-Putsch formierten sich im gesamten Ruhrgebiet Arbeiterwehren, die sich dann Roten Ruhrarmee nannten. Die Aufstandsbewegung weitete sich im gesamten Ruhrgebiet aus.
Die Radtour startet um 9 Uhr am Bochumer Hauptbahnhof.
Die Radtour findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt. Es wird daher kein Teilnahmebeitrag erhoben.
Anmeldung bis zum 09.04.2014 unter: geschichtswerkstatt@bo-alternativ.de

Quelle: bo-alternativ, 6.04.2014

Montag, 20. Januar 2014

Ausstellung zur IG Farben: „…von Anilin bis Zwangsarbeit“

Forum gegen Ras­sis­mus und Fach­schaft Che­mie zei­gen Aus­stel­lung zur IG Far­ben in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek
Es war sei­ner­zeit das größ­te Che­mie­un­ter­neh­men der Welt und hat den in­dus­tri­el­len Mas­sen­mord an Mil­lio­nen von Men­schen erst mög­lich ge­macht: Die Ge­schich­te der I.G. Far­ben­in­dus­trie (kurz IG Far­ben) ist eng mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­wo­ben. Eine Aus­stel­lung über das Che­mie­kar­tell wird im Ja­nu­ar auf dem Cam­pus der TU Dort­mund ge­zeigt: „Von Ani­lin bis Zwangs­ar­beit“ ist ab dem 13. Ja­nu­ar bis zum 14 Feburar im Foyer der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek zu sehen.
1925 als Kar­tell von Un­ter­neh­men wie BASF, Bayer oder Hoechst ge­grün­det, be­stand die IG Far­ben in den 1930er-​Jah­ren aus etwa 200 Wer­ken al­lein in Deutsch­land und war eine wich­ti­ge fi­nan­zi­el­le Basis des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus: Sie war die größ­te Ein­zel­geld­ge­be­rin der NSDAP und stell­te das Ner­ven­gas Zy­klon B her, mit dem Mil­lio­nen Men­schen in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern der Nazis er­mor­det wur­den. In den Fa­bri­ken der IG Far­ben wur­den tau­sen­de Zwangs­ar­bei­ter*innen ein­ge­setzt – die Lager Ausch­witz III und IV waren als Be­triebs­an­la­gen und ei­ge­nes Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger für die IG er­rich­tet wor­den.

Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag

Jährlich wird bundesweit seit 1996 am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz, der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dieser Tag wurde 2005 von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ erklärt. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Das KZ Auschwitz steht symbolhaft für die Millionen Opfer des Nazi-Regimes.

Dieser Tag erinnert an die Mordopfer der Zeit des Nationalsozialismus, an Menschen, die nach der verbrecherischen Weltanschauung der Nazis nicht in das vorgegebene Bild einer "arischen Volksgemeinschaft" passten: Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Handicap, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, so genannte "Asoziale", Zeugen Jehovas, Deserteure, WiderständlerInnen, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, an all die Namenlosen, an die mehr als elf Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, gedemütigt, entrechtet, ausgegrenzt, gekennzeichnet, gequält und in den Konzentrationslagern und anderen Unrechtsstätten bestialisch ermordet wurden.

Samstag, 18. Januar 2014

Flüchtlinge entkriminalisieren – Abschiebehaft abschaffen

“853 Tage –  so lange saßen Flüchtlinge in NRW allein im letzten Halbjahr unrechtmäßig in Abschiebehaft. Das haben der Bundesgerichtshof und verschiedene Landgerichte in NRW festgestellt”, schreibt der Flüchtlingsrat NRW in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es: »Der Flüchtlingsrat NRW fordert das Innen- und das Justizministerium NRW auf, ab sofort auf die Anwendung der Abschiebehaft zu verzichten. Die Abschiebehaft kriminalisiert Menschen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, außer, dass sie nicht daran mitwirken wollen, in die ausweg- und perspektivlose Situation ihres Herkunftslandes zurückzukehren. Zudem verletzt sie in den meisten Fällen das Grundrecht auf Freiheit der Person, denn die Prognose, ob sich jemand tatsächlich einer Abschiebung entziehen möchte, ist höchst unsicher. Für den Flüchtlingsrat NRW ist es unverständlich, dass ausgerechnet in NRW die Zahl der Abschiebehaftgefangenen auch noch regelmäßig deutlich höher ist als in allen anderen Bundesländern.

Sonntag, 12. Januar 2014

Recht auf Stadt



Am Dienstag, den 14. Januar findet um 19 Uhr im Haus der Begegnung, Alsenstraße 19 das 4. RechtAufStadt-Ruhr-Treffen statt. Geplant ist u. a. bis zum März einen Text zur Frage zu formulieren, was Recht auf Stadt im Ruhrgebiet bedeutet und welche Forderungen sich daraus ergeben. In der Einladung heißt es: “Dazu diskutieren wir nun auf jedem Treffen ein Schwerpunktthema. Beim letzten Mal hatten wir über Freiräume und Leerstände geredet, woraus ein erster Textentwurf entstanden ist. Beim Treffen im Januar nehmen wir uns das Themenfeld Armut, Einwanderung und Segregation vor. Dazu wird es wieder einen Input geben. Des weiteren werden wir über die weitere Umsetzung unser Map alternativer und unkommerzieller Orte reden. Daneben wird auf dem Treffen Zeit zum Austauschen aktueller Ereignisse und kommender Termine sein.”


Quelle: bo-alternativ.de, 10.01.2014

Mittwoch Anarchismus und Technologie. Im Rahmen der Veranstungsreihe: Alles muss man selber machen. - *Ansätze der Selbstorganisierung*

Wann: Am 22.01.2014 um 19:00 Uhr
Wo: Linkes Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

Veranstaltungsreihe: Alles muss man selber machen. – Ansätze der Selbstorganisierung
Anarchismus und Technologie
Uri Gordon, anarchistischer Theoretiker und Aktivist sowie Autor des Buches „Hier und Jetzt“ Anarchistische Praxis und Theorie thematisiert in der Veranstaltung die Ambivalenz heutiger AnarchistInnen in ihrem Verhältnis zur Technologie. Auf der einen Seite sind AnarchistInnen an Kampagnen im Widerstand gegen die Einführung neuer Technologien beteiligt, z. B. gegen gentechnisch modifizierte Pflanzen, gegen Überwachungs- und Kriegstechnologie. Andererseits findet bei AnarchistInnen einer der am weitesten entwickelten High-Tech-Bereiche, Computer Software und Internet, begeisterten Zuspruch. Uri Gordon wird die Frage zur Diskussion stellen, wie wir eine Technologiekritik formulieren können, die in sich kohärent und theoretisch haltbar und zugleich mit zentralen politischen Zielen von AnarchistInnen vereinbar ist?
Re-examining the politics of technology
This presentation seeks to open a discussion around the curious ambivalence towards technology that continues to trouble the radical and anarchist Left. To move beyond the simplistic opposition between Promethean celebration and primitivist rejection, I offer some insights informed by contemporary Science and Technology Studies (STS), in particular the concept of sociotechnical assemblage – a key concept in STS that articulates the social as consisting in associations between human and non-human agencies. This concept offers a complex account of the inherence of social relations in technological design and deployment. Essential to the contemporary expression of sociotechnical assemblages are the forms of ‘slow violence’ latent within technological legacies of the petromodernstate form, which have produced many of the ecological conditions in which social movements now struggle with various forms of oppression. Such a perspective allows radicals to judge technologies according to their promotion of hierarchical or nonhierarchical social practices, leading to three options for action: abolitionism, guarded adoption, and active promotion.

Veranstalter: Antifaschitische Linke Düsseldorf und Referat Politische Bildung – AStA FH,

Quelle: Linkes Zentrum Hinterhof

Samstag, 11. Januar 2014

Recht auf Stadt

Am Dienstag, den 14. Januar findet um 19 Uhr im Haus der Begegnung, Alsenstraße 19 in Bochum das 4. RechtAufStadt-Ruhr-Treffen statt. Geplant ist u. a. bis zum März einen Text zur Frage zu formulieren, was Recht auf Stadt im Ruhrgebiet bedeutet und welche Forderungen sich daraus ergeben. In der Einladung heißt es: “Dazu diskutieren wir nun auf jedem Treffen ein Schwerpunktthema. Beim letzten Mal hatten wir über Freiräume und Leerstände geredet, woraus ein erster Textentwurf entstanden ist. Beim Treffen im Januar nehmen wir uns das Themenfeld Armut, Einwanderung und Segregation vor. Dazu wird es wieder einen Input geben. Des weiteren werden wir über die weitere Umsetzung unser Map alternativer und unkommerzieller Orte reden.  Daneben wird auf dem Treffen Zeit zum Austauschen aktueller Ereignisse und kommender Termine sein.”

Quelle: bo-alternativ, 10.01.2014

Donnerstag, 2. Januar 2014

Vortragsreihe zum Thema Rechtsextremismus

Gleich zum Anfang des neuen Jahres beginnt eine vom der Gedenkhalle Schloss Oberhausen organisierte Vortragsreihe „Rechtsextremismus 2014 – wissen, wo die Gefahr lauert“. Dazu wird es drei Vorträge an verschiedenen Orten in Oberhausen am jeweils letzten Dienstag des Monats um 19 Uhr von Januar bis März 2014 geben. Es sollen aktuelle rechtsextreme Tendenzen beleuchtet werden.

Man kann sich folgende Veranstaltungen schon vormerken:

Dienstag, 28. Januar - 19 Uhr
Jan Raabe: RechtsRock – Motor und Modernisierer des Neonazismus
Ort: Bert-Brecht-Haus, Stadtbibliothek, Langemarkstr. 19-21

Dienstag, 25. Februar - 19 Uhr
Hendrik Puls: Antikapitalismus von rechts?
Christuskirche Oberhausen, Gemeindehaus, Nohlstr. Nr. 4-6

Dienstag, 25. März - 19 Uhr
Klaus Ahlheim: In der Mitte rechts! Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit,  Politische Bildung
Saal des Katholischen Stadthauses Elsa-Brändström-Straße 11

Nähere Informationen erhält man bei der Gedenkhalle Schloss Oberhausen.

Samstag, 16. Oktober 2010

Rassismus der Machteliten - Die "Sarrazin-Debatte"

Wann & Wo: Mittwoch, den 24.11.2010 ab 19.30 Uhr im Linken Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 107, Düsseldorf
Veranstaltet vom Antifa-AK an der FH Düsseldorf und der AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland.
Referent: Jörg Kronauer (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Vom "dummen Kopftuchmädchen" bis zum "Juden-Gen": Kaum jemals haben offen rassistische, antisemitische Ressentiments eine solch massenhafte Verbreitung in der deutschen Öffentlichkeit gefunden wie in der Debatte um diverse Pamphlete des Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin. Neu ist nicht der Inhalt: Viele von Sarrazins Behauptungen kennt man schon seit Jahren aus Publikationen der extremen Rechten. Neu ist, dass Teile der deutschen Machteliten und deshalb auch Leitmedien und renommierte Verlage auf den rassistischen Zug aufspringen. Innerhalb von wenigen Wochen hat der Bertelsmann-Konzern gut 650.000 Exemplare von Sarrazins jüngstem Machwerk verkauft, in der einst linksliberalen Süddeutschen Zeitung springt ein früherer SPD-Bundesbildungsminister dem Autor bei und verlangt, man müsse in Deutschland wieder öfter von "Rasse" reden. Die Woge der Aufregung flaut mittlerweile ein wenig ab - Zeit, Bilanz zu ziehen. Was ist anders nach der "Sarrazin-Debatte"? Hat sie der extremen Rechten genutzt? Wird sich eine Partei rechts der Union etablieren? Mutieren die zukünftigen Exzesse des sogenannten Party-Nationalismus nun endgültig zur Rassisten-Party - mit fatalen Folgen für Menschen mit Migrationshintergrund? Und vor allem: Was bezwecken die deutschen Machteliten mit der Öffnung massenmedialer Schleusen für übelste Ressentiments gegen migrantische Unterschichten?

Peter Gingold: Paris - Boulevard St. Martin No. 11 - Lesung aus den Erinnerungen eines jüdischen Antifaschisten und Kommunisten in der Résistance und der Bundesrepublik

Wann & Wo: Dienstag, den 9.11.2010 ab 19:00 Uhr in der VHS Essen

Kursleitung: Alice Czyborra

In Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Essen

Wer Peter Gingold persönlich kannte oder ihn erlebte, wird ihn in seinem Buch "Paris - Boulevard St. Martin Nr. 11" lebendig finden, quirlig wie immer. Mit rhetorischem Talent konnte er besonders junge Menschen begeistern, wenn er aus seinem Leben und dem riesigen Fundus seiner Erfahrungen sprach.
Im Kriegsjahr 1916 wurde er in eine jüdische Familie geboren. Als Jugendlicher erlebte er den aufkommenden Faschismus, den Antisemitismus in Frankfurt/Main, schloss sich der Arbeiterjugendbewegung an und nahm teil am ersten Widerstand gegen das faschistische Hitlerregime. Bereits im Sommer 1933 emigrierte seine Familie nach Frankreich. Peter Gingold, wenige Monate später aus Deutschland ausgewiesen, folgte seiner Familie ins Exil nach Paris, erlebte Existenzkampf fund die Angst vor Abschiebung der Emigranten. Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht schlossen er und seine Frau Ettie sich dem Widerstand in den Reihen der Résistance an. Peter Gingold wurde verhaftet und es gelang ihm in einer unglaublichen Flucht den Fängen der Gestapo zu entkommen. Er nahm am Aufstand zur Befreiung von Paris teil und erlebte den 8. Mai 1945 in Turin mit der italienischen Resistenza.
Zurückkehrt nach Deutschland gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit. Doch dann erlebte er und seine Familie fast zwei Jahrzehnte erneute Verfolgung, Ausbürgerung und Berufsverbot.
Trotz allem, bezeichnete Peter Gingold später sich selbst als Reisender in Mut machen. Mit seinen Erinnerungen verstand es nicht nur, die Leserinnen und Leser in Spannung zu versetzen, seine Erfahrungen sollen Mut zu machen, Mut zur Zivilcourage. Seine Texte verbinden sich deutlich mit Aktivwerden heute,
mit Widerstehen

Es lesen Alice Czyborra, Tochter von Peter Gingold, und sein Enkel Juri Czyborra.

Stadtteilführung durch König Ludwig - Bergarbeiterwohnen im Wandel

Teile des heutigen Recklinghausens waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts so gut wie unbewohnt. Mit dem Ausbau der Zechen zum Ende des Jahrhunderts siedelten sich Tausende von Menschen an, um hier zu arbeiten und viele Siedlungen entstanden.
Bei diesem Rundgang besuchen wir einen dieser Siedlungsbereiche: König-Ludwig.
Hier zeigt sich eine Kolonie im Wandel der Zeit. Bei dem Rundgang nehmen wir unter anderem die gut erhaltene Wohnsituation im Bereich der Wörthstraße und die neueren Entwicklungen östlich der Overbergstraße in Augenschein. Anhand früherer und aktueller Stadtentwicklungsplanung kann hier insbesondere der Koloniebegriff hinsichtlich des Wohnens und Arbeitens der dort lebenden Menschen veranschaulicht werden.

Uwe Wlodarczak
Treffpunkt: Antoniuskirche
sonntags, 15.00 - 17.00 Uhr
ab 05.12.10
1 x 2 UStd., 2 Ustd.
gebührenfrei

Anmeldung bei der VHS-Recklinghausen erforderlich.

1968 und die Folgen auch in Gelsenkirchen!?

Gesprächsrunde mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. 
Kursleitung: Prof. Dr. Stefan Goch
ab Di. 26.10.2010
18:00 - 20:00 Uhr
Bildungszentrum, Ebertstr. 19, Raum 207, Gelsenkirchen

Out of Action Workshop - Den Castor stoppen!

Wann & Wo: Am 24.10 um 16:00 im ZAKK, Fichtenstraße 40, Düsseldorf
Veranstalterin: AG Out of Action

Dass man nicht als "freie Radikale" , sondern in Bezugsgruppen zum Castor fährt, ist mittlerweile selbstverständlich. Zu einer funktionierenden Bezugsgruppe gehört allerdings mehr als die Beachtung der wichtigen Orga- und Techniktipps in den Bezugsgruppenreadern. Dieser Workshop dient der Vorbereitung von Bezugsgruppen auf gemeinsame Aktionen im Wendland. Es gibt Anregungen für konkrete Absprachen zu Fragen wie: "Wie reagiere ich in Stresssituationen? Was brauche ich dann, um wieder runterzukommen? Was können wir tun, um uns gegenseitig zu unterstützen? Wo liegen meine Grenzen bei Aktionen, worauf einigen wir uns in der Gruppe? Wie können wir unter Zeitdruck effektiv gemeinsame Entscheidungen treffen?“

Kapitalistische Realität in der Krise: Entwicklung in Indien und China

Wildcat-Veranstaltungen am 20.10.2010 ab 19:00 Uhr im Taranta Babu, Humboldtstr. 44, Dortmund
Die kapitalistische Produktionsweise ist heute nur noch zu verstehen, wenn man eine globale Perspektive behält und die verschiedenen weltweiten Bewegungen und Veränderungen wahrnimmt. Die Produktionsketten durchziehen fast alle Länder auf der Welt, und seit den 90er Jahren ist als die Hälfte der Menschheit direkt durch Lohnarbeit und noch viel mehr indirekt in diese Ketten eingebunden.
Um über emanzipatorische Perspektiven, Kampfmöglichkeiten und unsere Rolle in ihnen diskutieren zu können, ist es wichtig, den Zustand und die Veränderungen der Welt im Auge zu behalten. Als Beitrag zu dieser notwendigen Diskussion machen wir zwei Veranstaltungen zum Stand der kapitalistischen Entwicklung und den Erfahrungen der Lohnarbeiter_innen in Indien und China. Indien und China sind die zwei bevölkerungsreichsten Länder in Asien und haben sich seit den 80ern als »Fabriken der Welt« etabliert, in denen sehr viele der weltweit verbrauchten Konsumgüter produziert werden. mehr

Die letzten Feuer von Porto Maghera

Wann & Wo: Am Sa., dem 16.10.2010 ab 20:00 Uhr emily unberechenBar im Sozialen Zentrum Bochum

Linke Veranstaltungen nehmen ja oft Jahrestage oder Verstorbene zum Anlass um an historische Ereignisse zu erinnern. Nach diesem Muster gibt es einen doppelten Anlass sich die historische Erfahrung der Arbeiterautonomie in Italien noch einmal genauer anzusehen. Zum einen  ist diese Jahr Romano Alquati verstorben, einer der wichtigen Vordenker des Operaismus zum anderen hat der "Marsch der 4000" Angestellten Jahrestag. Dieser stellt den Endpunkt der "Arbeiterinnenbewegung gegen die Arbeit" dar und hatte auch die Form eines Trauermarsches. Die Angestellten demonstrierten schweigend und ohne Spruchbänder für den Abbruch des Streiks beim Fiatwerk Miafiori in Turin.

Wir wollen mithilfe des Films "Porto Maghera: Die letzten Feuer" (Italien 2004, 52 min) diese massive, auf alle Bereiche des ArbeiterInnenlebens ausgedehnte, und von ca. 1964-80 dauernde Erfahrung der Selbstorganisation und des politischen Kampfes diskutieren. Dabei soll die Frage, wie wir heute diese Erfahrungen nutzbar machen können im Vordergrund stehen.


Diese Veranstaltung schließt an die vorangegangen Veranstaltungen zu den revolutionären Versuchen 1936 in Spanien und 1919-21 in Deutschland an.

Samstag, 1. Mai 2010

Aufruf zum Euromayday Ruhr

Hast Du bezahlte Arbeit? Kannst Du davon leben? Hast Du freie Zeit? Was kannst Du Dir leisten? Kannst Du Dein Leben selbst bestimmen? Was wünscht Du Dir? Was machst Du im Alter?

Wir haben die Nase voll! Her mit dem schönen Leben – ohne Angst und Unsicherheit, ohne Ausbeutung und Unterdrückung, hier und überall! Der 1. Mai ist unser Tag, um gemeinsam als Parade laut und sichtbar zu sein und unseren Wünschen Ausdruck zu verleihen. Der EuroMayDay ist eine Einladung, um gemeinsam mit anderen zu handeln, zu kämpfen und zu feiern!

Immer mehr Menschen werden Ansprüche und Garantien genommen. Sie werden in unsichere Lebensverhältnisse abgedrängt. Mittlerweile arbeiten bereits ein Drittel aller Beschäftigten unter prekären Bedingungen, das heißt in Leiharbeit, in Minijobs, in befristeten Arbeitsverhältnissen, in mies oder gar nicht bezahlten Praktika, als Ich-AG oder als papierlose MigrantInnen ohne jeglichen Schutz. Besonders in den Bereichen Pflege, Hausarbeit und Einzelhandel arbeiten zumeist Frauen, die angesichts der geringen Löhne und der niedrigen Stundenzahlen kein existenzsicherndes Einkommen erhalten. Diese Prekarisierung und der radikalisierte Wettbewerb setzen auch die so genannten Stammbelegschaften unter Druck. Allein die Anwesenheit von LeiharbeiterInnen in einem Betrieb wirkt (lohn)disziplinierend.

Wir sollen mehr arbeiten und weniger verdienen. Die Bedrohung mit Armut und Ausschluss soll uns gefügig machen, niemand sich sicher fühlen. Das entwürdigende Regime der Hartz-Gesetze erzeugt Angst. Die Entrechtung und Gängelung der Erwerbslosen mit 1-Euro-Jobs, Vorladungen, Hausdurchsuchungen oder Zwangsumzügen wird begleitet von einer widerlichen Missbrauchsdebatte, die ausgrenzen und isolieren soll.

Nach dem Ende von Kohle und Stahl ist diese Situation besonders hier im Ruhrgebiet zu spüren. Die Kommunen sind pleite und leiden unter einer hohen, verfestigten Erwerbslosigkeit. Umfassende Sparprogramme sollen jetzt helfen die Haushalte zu sanieren. Wie üblich wird dabei besonders im sozialen und soziokulturellen Bereich gespart.

Mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 soll der sterbende Dinosaurier Ruhrgebiet zu neuem Leben erweckt werden. Kultur wird zum Standortfaktor und Kreativität auf eine Geschäftsidee reduziert. Gerade der von der Kulturhauptstadt so gefeierte Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft ist das Modell eines stark prekarisierten Arbeitsmarktes. Er wird bestimmt von Zeitverträgen und unsicheren, selbstständigen Arbeitsverhältnissen.

Die Politik bastelt an Prestige-Projekten, wie z.B. dem Bau eines neuen Konzerthauses in Bochum oder dem Dortmunder U-Turm als Zentrum für Kunst und Kreativität. Von der Mehrheit der BewohnerInnen, die das Zeitalter von Kohle und Stahl hier zurückgelassen hat, haben sich die Verantwortlichen längst verabschiedet. Diese Mehrheit der BewohnerInnen wird von diesen Projekten des sogenannten Strukturwandels nicht profitieren.

Öffentliche Gelder müssen allen Menschen, die hier leben, zugute kommen! Kulturelle Infrastruktur muss in erster Linie soziale Infrastruktur sein! Dazu gehört ein Bildungssystem, das nicht selektiert sondern fördert, ebenso wie ein schneller, bezahlbarer, öffentlicher Nahverkehr und eine umfassende Gesundheitsversorgung sowie die Finanzierung von z.B. Stadtteilzentren und Schwimmbädern! Diese Gemeingüter gehören uns allen!

Wir bleiben nicht bei der Verteidigung der Gemeingüter stehen, sondern wissen, dass allen Menschen ein ausreichendes Einkommen zusteht. Alle Menschen sollen ihren Aufenthalts- und Wohnort frei wählen dürfen. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft, die mit patriarchalen und rassistischen Gewalt- und Herrschaftverhältnissen bricht.

Deshalb weisen wir jegliche rassistische und nationalistische Spaltung zurück. Rechte Parteien schüren den sozialen Neid und finden auch bei Teilen der bürgerlichen Mitte Unterstützung mit Kampagnen für einen Sozialstaat und Mindestlohn nur für "Volksgenossen". Unter den Slogans "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen" wird Rassismus verbreitet. Die Angriffe von Neonazis gegen MigrantInnen und politische GegnerInnen nehmen zu, in den letzten Jahren wurden in Dortmund sogar mehrere Menschen von Neonazis ermordet. Die 1. Mai-Demo des DGB wurde im letzten Jahr von Neonazis angegriffen. Es geht also auch darum Dortmund ein anderes Gesicht zu geben und Solidarität zu leben.

Das Fehlen von Sicherheiten und Garantien ist uns gemeinsam: Ob wir als KünstlerInnen oder Reinigungskraft arbeiten. Ob wir akut von einer Betriebsschließung bedroht oder schon erwerbslos sind. Ob wir neben dem Studium als DJ unterwegs sind oder als neue Selbständige unser unternehmerisches Selbst vor uns her treiben. Dieses negative Gemeinsame wollen wir, trotz all unserer Unterschiedlichkeit, zu einem positiven Gemeinsamen wenden, zu einem Recht auf ein gutes Leben. Der EuroMayDay ist die Aufforderung an Euch, dieses positive Gemeinsame zum Schwingen und Tanzen zu bringen. Das meinen wir durchaus wörtlich. Wir wollen dem Wortgeklingel der Kulturhauptstadt und den Zumutungen unseres Lebens unsere Wünsche und Forderungen entgegen stellen und eine große Party auf der Straße feiern.

»Mayday, Mayday« ist das Signal, welches in Seenot geratene Schiffe aussenden. In diesem Sinne: Raus aus den Federn, es kommt auf uns alle an! Der EuroMayDay ist eine offene Parade - alle sind eingeladen, ihre Prekarisierungserfahrungen, Aneignungskämpfe, Ideen und Forderungen einzubringen. Ob mit Kostümen, Schildern, Tänzen, Musik oder anderem ist jedem und jeder selbst überlassen!

Der EuroMayDay startet am 1. Mai 2010 um 15 Uhr in Dortmund am Hauptbahnhof Nordausgang.


Falls ihr den Aufruf als Gruppe oder Einzelperson unterstützen wollt, schreibt uns eine E-Mail.

die 43 Unterstützer_innen-Gruppen (Stand 28.4.2010):

AG Bildungsstreik Bochum | AG Bildungsstreik Duisburg-Essen | AG Kritische Kulturhauptstadt | alternative liste Bochum | Antifa Medienzentrum Dortmund | Antifaschistische Linke Münster | Antifaschistische Union Dortmund | Antinationale Antifa Dortmund | ASJ Herne/Recklinghausen | AStA Ruhr-Uni Bochum | Attac Bochum | attac campus bochum | Bochumer Sozialforum | der_notstand Bochum | FAU Dortmund | FAU Münster | FAU Bielefeld | FAU Essen | FAU Moers | Forum gegen Rassismus Campus Dortmund | Freiraumtanz Bochum | GEW LASS NRW | Globalibre | Hoodstock | INURA-Ruhr | Kultur- und Initiativenhaus Langer August | KulturHaus Taranta Babu | Kunterbunt e.V. | Kulturzentrum Bahnhof Langendreer Bochum | LabourNet Germany | Land for Free | Libertäre Medienmesse 2010 | lippe*alternativ | Radio El Zapote - Autonome Kultur- und Konzertgruppe Bochum | Rattenloch Schwerte | Soziales Zentrum Bochum | Sozialforum Dortmund | Theater Metropol Dortmund | Transnationales Aktionsbündnis | Unabhängige Sozialberatung Bochum | Unrast Verlag | ver.di Jugend NRW | ver.di Jugend Südwestfalen 

Infos & Quelle: EuroMayDay Ruhr

Sonntag, 6. Dezember 2009

Kultusminister nachsitzen!

Ein breites, gesellschaftliches Bündnis ruft auf zum Protest
gegen die Kultusministerkonferenz am 10. 12 2009 in Bonn


Wer sind wir?

Wir sind SchülerInnen, Azubis und Studierende vom Bildungsstreik, Erwerbslose aus den Erwerbsloseninitiativen und Arbeiter und Angestellte aus den Gewerkschaften.
Im Jahr 2009 gab es viele große Proteste gegen die Politik von Bundesregierung, Landesregierungen und Großkonzernen: Gegen die Abwälzung der Wirtschaftskrise auf die Schultern der arbeitenden Menschen, Erwerbslosen, SchülerInnen, Azubis, Studierenden und Rentner demonstrierten in Frankfurt und Berlin am 28.3. mehr als 55.000 Menschen unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise!“. Am 16. Mai forderten mehr als 100.000 Menschen in Berlin auf einer großen, vom DGB organisierten Demo, „Profiteure zur Kasse!“. Und am 17. Juni demonstrierten SchülerInnen, Azubis, Studierende und erwerbslose Jugendliche für ein anderes, besseres Bildungssystem ohne überfüllte Klassen, ohne Ausbildungsplatzmangel ohne Studiengebühren und gegen die explodierende Jugendarbeitslosigkeit. Mehr als 270.000 Jugendliche haben an diesem Tag ein klares Signal an Politik und Wirtschaft gegeben: Dass sie die Schnauze gestrichen voll haben.
Erster Erfolg der Proteste: Die Einführung der Studiengebühren hat nicht nur gestoppt, sondern der Wind hat sich gedreht. Und zwar sind in Hessen, in Schleswig-Holstein und im Saarland Studiengebühren wieder abgeschafft worden. Die Bildungsstreik-Bewegung hat nun auf ihrem bundesweiten Treffen in Münster zu Protesten und der Blockade der Kultusministerkonferenz („KMK“) aufgerufen. Und die größten Organisationen der Arbeiter, Angestellten und Erwerbslosen Deutschlands, der DGB Köln/Bonn, attac Bonn und das Erwerbslosen Forum Deutschland, sind mit dabei gegen die „KMK“.
Gemeinsam sind wir stark!

Wer sind die „Kultusminister“…?

Die „Kultusminister“, das sind genau die MinisterInnen, die in ihren jeweiligen Bundesländern die Situation des Bildungssystems zu verantworten haben. Sie haben die Möglichkeit zu Veränderungen und wir wollen, dass sie die auch nutzen! Die „Kultusministerkonferenz“ ist ein Zusammenschluss der KultusministerInnen aller 16 Bundesländer, welche für Bildung und Erziehung, Hochschulen und Forschung sowie weitere kulturelle Angelegenheiten zuständig sind. Also für die Bereiche, die uns SchülerInnen, Studierende, arbeitslose Jugendliche und Azubis direkt betreffen. Mehrmals im Jahr treffen sich die KultusministerInnen zur KMK. Und wenn sie über diese Themen beraten, werden unsere Forderungen und Interessen nicht beachtet.
…und was machen sie?
Was tatsächlich herauskommt bei der Politik der KultusministerInnen, das sind weitere Verschlechterungen im Bildungssystem, wie in den letzten Jahren z.B. der Abbau von demokratischer Mitbestimmung in Schule und Hochschule, die Einführung der Studiengebühren, der Lern-Terror durch zentrale Prüfungen, durch das Bachelor/Master-System und durch das Turbo-Abitur („G8“). Dazu kommt das verstärkte charakterliche und soziale Aussortieren und die Unterdrückung kritischer Meinungen durch die „Kopfnoten“.
In der Schule fehlt es an allem: Zu wenige LehrerInnen und überfüllte Klassen machen das Lernen (für beide Seiten!) unerträglich, die Gebäude bröckeln und viele SchülerInnen können sich das Schulmittagessen (falls es das überhaupt gibt) nicht leisten – genauso wie Klassenfahrten und Lehrbücher, Hefte, Stifte usw.
Während der Druck in Schule und Ausbildung immer größer wird, wächst die Jugendarbeitslosigkeit, wächst der Ausbildungsplatzmangel und werden die Löhne kräftig gesenkt, werden die Arbeitsbedingungen immer unsicherer und schlechter („Prekarisierung“). Millionen Jugendliche sind zu kostenlosen „Praktika“ anstelle bezahlter Arbeit gezwungen. Nach der sehr „kulturellen“ Dröhnung der 60-Stunden-Woche in Schule und Ausbildung bleibt dann weder Geld noch Zeit für anderweitige „kulturelle“ Aktivitäten. Und im „Hartz-IV“-Regelsatz sind pro Kind ganze 0,00€ für Bildung und Kultur vorgesehen – aber immerhin 2€ täglich für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Ein (billiges!) Schulmittagessen kostet 2,50€. Die Krönung hat das Bundessozialgericht am 29.10.09 beschlossen: Schülerfahrkarten müssen aus dem Hartz-IV-Regelsatz gekauft werden. Damit ist SchülerInnen z.B. das tägliche Frühstück entzogen.
Vor der Kamera werden uns die KultusministerInnen vielleicht wieder einmal erzählen, wie toll sie es finden, dass sich Jugendliche z.B. beim Bildungsstreik „engagieren“, und dass sie unsere „Vorschläge“ auf jeden Fall „berücksichtigen“ werden. Damit aber unsere Interessen von den PolitikerInnen großzügigerweise „berücksichtigt“ werden, müssen wir gemeinsam dafür kämpfen – und können uns nicht auf ihre Versprechungen verlassen!
Wofür Protest und ‚Nachsitzen‘?
Der Protest gegen die 16 KultusministerInnen ist oft über das ganze Land verstreut. Jetzt kommen sie alle in Bonn zusammen – und es wird eine Demonstration und eine Blockade geben! Um bei der Bildung und Erziehung der KultusministerInnen etwas nachzuhelfen, helfen vielleicht ein paar Stunden ‚Nachsitzen‘ bei ihrer Konferenz– z.B. durch eine Blockade! Unterstützt uns dabei, die MinisterInnen ‚nachsitzen‘ zu lassen!

Nachsitzen! – Unsere Forderungen an die KMK:

Gegen die katastrophalen Lehr- und Lernbedingungen – für selbstbestimmtes Leben und Lernen


  • Weg mit dem Schulstress durch Schulzeitverkürzung, zentralen Prüfungen, starren Lehrplänen, Kopfnoten und zu großen Klassen!


  • Weg mit dem Leistungsdruck u.a. in Form des Bachelor-Master-Systems!


  • Eine Schule für alle – statt Aussortieren in Haupt-, Real-, Gesamt- und Sonderschüler!


  • Fachlich und pädagogisch gut ausgebildete ErzieherInnen, LehrerInnen, SozialpädagogInnen und DozentInnen! Und davon viel mehr!

  • Freier Zugang zu allen Bildungs- und Kultureinrichtungen und Abschaffung sämtlicher Bildungsgebühren

  • Abschaffung von Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kitagebühren!


  • Ausbildung mit anschließender Übernahme für alle im erlernten Beruf!


  • elternunabhängiges BAFöG ,ohne Zurückzahlen für jede_n!


  • Weg mit jeglicher Begrenzung des Hochschulzugangs durch Abitur, „NC“ usw.!


  • Kostenlose Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr für alle!


  • Kostenlose Einzelbetreuung (Nachhilfe), Verpflegung, Materialien und Klassenfahrten!

  • Öffentliche Finanzierung des Bildungssystems – ohne Einfluss der Wirtschaft

  • Mehr Gehalt für ErzieherInnen, LehrerInnen, SozialpädagogInnen und DozentInnen!


  • Weg mit dem Einfluss von Wirtschaft, Militär und Polizei auf die Bildung!

  • Demokratisierung durch Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen
  • Verfasste Studierendenschaften mit Finanzhoheit und politischem Mandat in allen Bundesländern! Auch für die SVen!

  • Weg mit Hochschulrat und Stiftungsrat als höchste Entscheidungsebene an Hochschulen!

  • Drittelparität in den Schulkonferenzen und an den Hochschulen!

  • Abschaffung der Leih- und Zeitarbeit sowie prekärer Arbeitsverhältnisse – Wir sind nicht eure „Generation Praktikum“!
    Weg mit Hartz IV! Her mit 500€ Grundsicherung, 30-Stundenwoche und 10€ Mindestlohn – Sonst kann man von Bildung und Kultur nur träumen!

    Quelle & mehr Infos: http://www.kmk-nachsitzen.de/