Sonntag, 30. März 2008

Aufruf

Am Freitag, den 11 und Samstag, den 12 April 2008 rufen wir zu zwei Tagen Demonstrationen, Direkten Aktionen, Info-Arbeit, Straßenfesten, Hausbesetzungen… auf, um Freiräume und antikapitalistische Kultur zu verteidigen.

Diese zwei Tage sollen dazu genutzt werden, die europäische/globale politische Bewegung um autonome Räume und besetzte Häuser ins Blickfeld zu rücken. Wir wollen Verknüpfungen und Solidarität zwischen verschiedenen Freiräumen schaffen.Wir wollen unsere Räume mit neuen Menschen und neuen Bewegungen enger verbinden und den Aufbau autonomer Räume an Orten, an denen es solche Aktionsformen noch nicht gibt, unterstützen. Schritt für Schritt wollen wir uns somit befähigen, die Repressionswelle, mit der wir konfrontiert sind, zu überwinden.

Wir rufen auf zu dezentralen und autonomen Aktionen aller Art - je nach dem, was euch in euren Zusammenhängen passend erscheint. Der politische Inhalt, den wir den Tagen geben möchten, wird unten beschrieben.

Wir sind überall

Für Jahrhunderte haben Menschen in der Stadt und auf dem Land besetzte Häuser und autonome Freiräumen genutzt, um selbstbestimmt zu leben. Sie sind ein Werkzeug, eine Taktik, eine Praxis und ein Weg für Leute, ihre Kämpfe auszutragen. Seit Jahrzehnten haben Squat-Bewegungen in Europa und darüber hinaus die kapitalistische Entwicklung bekämpft und damit an lokalen Kämpfen gegen Zerstörung teilgehabt, Alternativen zu profitorientierter und konsumistischer Kultur bereitgestellt, soziale Zentren aufgebaut und auf Mitbestimmung basierende Aktivitäten außerhalb der etablierten Wirtschaft organisiert. Sie haben die Möglichkeit von Selbstorganisierung ohne Hierarchien gezeigt und internationale Netzwerke des Austauschs und der Solidarität geschaffen. Diese Netzwerke haben das Leben vieler Leute verändert: der Ausbruch aus sozialer Kontrolle, freie Räume, in denen außerhalb der Norm gelebt werden kann.

Unter anderem sind diese Orte eine Basis für Treffen und Projekte, für die Erschaffung und die Verbreitung von subversiver Kultur, für den nicht auf Geld basierenden Austausch von Gütern, Ressourcen und Wissen, für das Experimentieren mit neuen Lebensformen, für kollektive Debatten, Verwertung und Konstruktion, für landwirtschaftliche Tätigkeiten, für die Erschaffung unabhängiger Medien.

Ob wir von besetzten Häusern in Städten oder gekauftem Land, von durch Verhandlungen oder Wiederaneignung erlangtem Grund im ländlichen Raum, von in Stand gesetzten Fabriken oder selbst gebauten Gebäuden sprechen, diese Räume sind sind Zuflucht für RebellInnen, Geächtete, arme und obdachlose Leute, radikale AktivistInnen, illegalisierte ImmigrantInnen. Für uns sind diese Räume entscheidender Teil einer Bewegung für soziale Veränderung.

Überall in Europa drücken Regierungen repressive Programme durch

Regierungen attackieren lange bestehende autonome Räume, wie das Ungdomshuset in Kopenhagen, Køpi und Rigaer Straße in Berlin, das EKH in Wien und Les Tanneries in Dijon, besetzte Sozialzentren in London und Amsterdam, Ifanet in Thessaloniki, etc. In Frankreich sind nach der Anti-CPE-Bewegung und der Welle von Aktionen und Aufständen während der Präsidentschaftswahlen besetzte Häuser zum Vorzugsziel für die Polizei geworden. In Deutschland wurden im Vorfeld des G8-Gipfels viele autonome Häuser angegriffen und durchsucht. In Genf und Barcelona haben die Behörden mit der Räumung von zwei langjährigen und großen „squatting fortresses“ versucht der Bewegung ein Ende zu setzen. Während es in manchen Ländern noch möglich ist leerstehende Gebäude zu besetzen, stellt es in anderen bereits eine Straftat dar. Auf dem Land wird Zugang zu Grund und Boden schwieriger und Kommunen bekommen zunehmend Probleme durch Gesetzgebung zu Hygiene und Sicherheit und durch Gentrifikation zu Gunsten des Bürgertums und Touristen. Unabhängige Kultur ist überall in Europa bedroht.

Vor ein paar Monaten haben wir die anhaltenden Kämpfe auf den Straßen Kopenhagens gesehen und die Aktionen überall in Europa: Eine Explosion von Wut über die Räumung des Ungdomshuset. Seitdem, und nach einigen anderen Widerstandsgeschichten der letzten Monate, haben wir es geschafft die Bedeutung internationaler Solidarität wiederzubeleben.

Uns motivieren die gleichen Leidenschaften, wir empfinden die gleiche Zielstrebigkeit und haben in der Repression den gleichen Feind und teilen über Grenzen hinweg das Verlangen, eine Welt der Gerechtigkeit und Selbstbestimmung zu schaffen. Als unangepasste und unregierbare Inseln unkontrollierter Freiheit werden wir in Solidarität handeln und unsere internationalen Verbindungen stärken, wie viele Kilometer auch zwischen uns liegen.

Themen jenseits der Aktionen

Jenseits der Aktionen erhoffen wir uns von diesen Tagen, dass sie Diskussionen hervorbringen und inspirieren, dass sie Chancen und Strategien sichtbar machen und Anlass geben, Fertigkeiten zu teilen.

Dies sind einige der Themen, die wir vorantreiben wollen:

  • Was verstehen wir unter und was erwarten wir von autonomen Räumen? Was ist ihre Rolle im Kampf für radikale soziale Veränderung? Wo liegen sie auf einer Skala von „alternativ“ bis „konfrontativ“?
  • Teilen von Information über die Bandbreite der Aktivitäten, die in autonomen sozialen Räumen stattfinden und wie sie umsetzbar sind; Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen hinterfragen; Zum Teilen von Wissen ermutigen, besonders zwischen Stadt und Land;
  • Teilen von Erfahrungen, einander inspirieren, herausfinden, wie andere kollektiv leben, ihre Aktivitäten, alternative Tauschsysteme;
  • Austausch über die Möglichkeiten Freiräume zu bekommen: Illegalisierte Besetzungen, Do-It- Yourself-Konstruktionen, Wagenburgen, Kollektiver Kauf;
    • Teilen von praktischen Ressourcen und das Gefühl von Solidarität zwischen: verschiedenen NutzerInnen autonomer Räume (gegenwärtig oder potentiell): Kooperativen, Menschen ohne Papiere, AktivistInnen, Reisende, ImmigrantInnen, StadtbewohnerInnen, LandbewohnerInnen, kleine Farmen;
    • Unterschiedliche Weisen Raum zu nutzen, Aktivitäten für die Gemeinschaft, Raum für Gruppen, Wohnraum;
  • das Finden von gemeinsamen Strategien, wenn bedroht von staatlicher Repression und Räumung.

Wer sind wir? Wie können wir an diesem Projekt zusammenarbeiten und es umsetzen?

Im Moment sind wir eine Gruppe - alle verschiedentlich mit autonomen Freiräumen in Europa verbunden -, die sich überlegt haben, diesen Aufruf zu diskutieren. Wir werden in den nächsten Monaten unterschiedliche Kollektive treffen und sehen, was Leute von der Idee europäischer Aktionstage halten und wie sie daran teilhaben möchten. Der Erfolg hängt sehr von unserer Fähigkeit ab, eine größere internationale Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen. Das hieße, dass alle, die mitmachen wollen, anfangen, die Idee in verschiedenen Zusammenhängen zu diskutieren und Propagandamaterial und Vernetzungsinfos produzieren und verbreiten, um darüber zu informieren, was in diesen Tagen in eurer Nähe so passiert.


http://april2008.squat.net/de/

update:

Am 11 + 12 April finden die internationalen Freiraumaktionstage gegen den herrschenden Trend der totalen Privatisierung und Kommerzialisierung, und für besetzte Häuser, autonome Zentren, Wagenburgen und linke Freiräume aller Art statt.

Es wurde zu Demos, Hausbesetzungen, Straßenfesten und kreativen Aktionen aufgerufen.

Auch in Heidelberg / Mannheim gibt es dazu ein Aktionsplenum an dem sich die AKUZA beteiligt…

Derzeit sind folgende Aktionen geplant:

- Di, der 08.04. 2008 — 20Uhr
Cafe Filmriss Special zu Freiräumen, gezeigt werden mehrere Filme zu Häuserkämpfen…
im Cafe Gegendruck, Fischergasse 2, 69117 Heidelberg

- Fr, der 11.04.2008 — 17 Uhr
Demonstration: Autonome Freiräume aufbauen und verteidigen
Marktplatz in Heidelberg-Neuenheim

- Fr, der 11.04.2008 — nach der Demo
Freiraumkneipe im Cafe Gegendruck

- Sa, der 12.04.2008 — 12 Uhr
Aktionstag in Karlsruhe: “Alles ist erlaubt…”
Karlsruhe

- Sa, der 12.04.2008 — 14 Uhr
Critical Mass: Fahradtour zum Straßenfest
Mannheim Wasserturm

- Sa, der 12.04.2008 — 15 Uhr
Kundgebung: Straßenfest
Hafenpromenade, Mannheim-Jungbusch

- So, der 13.04.2008 — 12 Uhr
Whose Street? Picknick aufm Bissi
(da wäre es auch cool wenn ihr was zum Essen mitbringen würdet ;-) )
Heidelberg Bismarckplatz

- So, der 13.04.2008 — 13 Uhr
Radioballett: den Widerstand tanzen
auf Bermudafunk UKW 105,4MHz
während der “radio libertad”, der Sendung der Anarchistischen Gruppe Mannheim
(bringt Radios mit)
Heidelberg Bismarckplatz, später Hauptstraße

- Mi, der 30.04.2008 — 18 Uhr
Kundgebung: Antifa Straßenfest
Heidelberg Uniplatz

Infos: www.akuza.de.vu

Nazitreffpunkten den Hahn zudrehen


Sonderseite: www.hahn‐zudrehen.tk

Der 1. März diesen Jahres, 20.20 Uhr, Detmold Innenstadt: Jugendliche auf dem Weg zu einer Party. Als sie an der Kneipe "DéJàVù" vorbei gehen, stürmen 2 stadtbekannte Nazis aus dem Lokal. "Ich breche euch das Genick", so der Wortlaut von einem der Beiden. Mit einem Teleskopschlagstock in der Hand bekräftigt er die Aussage. Die Jugendlichen können fliehen.
Leider keine Ausnahmesituation, sondern mittlerweile ein, leider, fast normaler Zustand in Detmold – und wohl nicht nur hier.

DéJà‐vu bezeichnet ein psychologisches Phänomen, das sich in dem Gefühl äußert, eine Situation schon einmal exakt so erlebt, gesehen oder geträumt zu haben. Dabei handelt es sich nicht um eine falsche Wahrnehmung, sondern um ein paradoxes Gefühlserleben...

2006:

Eine Demonstration mit über 250 Leuten und eine wochenlange Kampagne hatten den Erfolg, dass die "Blue Bar", der damalige Treffpunkt der Detmolder Nazis, eben jenen immerhin ein Hausverbot aussprach. Dieselbe Prozedur also im Umgang mit dem "DéJàVù"?

Definitiv nicht. Die Betreiberin lehnt grundsätzlich eine Gesprächsebene ab und heult sich stattdessen aus: Es seien die bösen Linken, die sie terrorisieren würden.


Also die bösen Linken und die netten Nazis?


Wir stellen fest: Nazis zu dulden, ihnen Bier auszuschenken und mit ihnen ein nettes Plauderchen zu halten, ist die eine Sache. Sie nach einem Angriff auf Jugendliche wieder herzlich willkommen zu heißen die andere. Was hier betrieben wurde, ist schlicht und ergreifend aktiver Täterschutz und eine offene Parteinahme für Nazis. Es ist unfassbar, dass es einen öffentlichen Raum gibt, in dem Nazis feiern, sich nach Angriffen zurückziehen können, und vom Betreiber mehr als geduldet werden. Dies ist eine Tatsache, welche wir als AntifaschistInnen auf keinen Fall akzeptieren können und werden!


Wer? Wie? Was?

Bei eben jenen Nazis handelt es sich nicht um einen unorganisierten Zusammenschluss, der sich am Wochenende auf ein paar Bierchen trifft und sich seiner faschistischen Einstellung erfreut.

Es besteht ein klar nachweisbarer Kontakt und Zusammenhang zu den so genannten "Freien Kameradschaften", in diesem Falle den "Nationalen Sozialisten OWL/SHG" sowie zu der überregionalen NPD‐ und Kameradschafts‐Szene. So nahm zum Beispiel Alexander Jim Grattan aus Detmold an mehreren Nazi‐Aufmärschen teil und war auf der Wahlkampfauftakt‐Veranstaltung der NPD‐Niedersachsen am 15. September in Hannover anwesend. Ihr Aktionsradius beschränkt sich also hierbei keinesfalls auf Treffpunkte wie das "DéJàVù".

Bei Jugendtreffen und Partys wird von Seiten der Nazis massiv Werbung gemacht. Bei ihrem Auftreten auf öffentlichen Veranstaltungen versuchen sie Jugendliche durch anfangs "unpolitische" Gespräche in ihre Kreise und somit auch in eben diese Treffpunkte zu locken.

Ein paar Bierchen später lässt sich dann auch gelockert über Weltanschauungen reden, die abgrundtief menschenverachtend sind. Die nächsten Schritte sind dann "Kameradschaftsabende" , "RechtsRock"‐ Konzerte oder andere gemeinschaftliche Aktionen...


Es ist unsere Stadt

Was ist sonst noch los in Detmold?
Ist eine Kneipe wie das "DéJàVù" das einzige Übel in dieser Stadt?

Am 6. September 2007 fand in Detmold‐Berlebeck eine Veranstaltung zu den Machenschaften der "Heimattreuen Deutschen Jugend" statt. Diese Veranstaltung wurde von Rechtsextremisten mit Rauchbomben angegriffen. Bei den anschließenden Festnahmen wurde umfangreiches Propaganda‐Material und Waffen in einem der Autos gefunden. Die in der Nacht festgenommen Personen sind alle einschlägig bekannte Neonazis, unter anderem auch Alexander Jim Grattan ‐ eben jener, der regelmäßig im "DéJàVù" verkehrt, und der Jugendliche direkt vor der Gaststätte bedrohte.

Als am 8. September letzten Jahres eine antifaschistische Demonstration in Berlebeck stattfand, führten Nazis aus dem Spektrum der Freien Kameradschaften eine Demonstration am Stadtrand durch. Lauthals "Alerta Antisemita" (Vorwärts Antisemitismus) gröhlend liefen sie
ungehindert auf Detmolds Straßen. Treffpunkt für auswärtige Nazis war der Tattoo‐Shop "Noah's" in der Meierstraße. Ebenfalls also ein geduldeter Treffpunkt für Nazis. Und dies nicht nur als Treffpunkt zum Saufen, sondern als "Sammel‐ und Rückzugspunkt" für auswärtige
Nazi‐Gruppen. Auch in anderen Städten in der Region dienen Tattoo‐Shops als Treffpunkte, als Orte zum Informationsaustausch und als Drogenumschlagsplätze.


Zur Heimattreuen Deutschen Jugend:

"Wenn für Dich Dein Volk alles ist und Du bereit bist, für das, was Du liebst, aufzustehen, alles zu wagen und zu kämpfen, dann ist Dein Platz bei uns!" (Werbetext: Heimattreue Deutsche Jugend)

In Berlebeck, einem Ortsteil von Detmold, wohnt Gerd Ulrich – "Leitstelle West, Einheit Hermannsland“.

Der vorbestrafte Funktionär der NPD und "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) fiel zum Beispiel 2006 auf, als er am Rande des HDJ‐Sommerlagers in Detmold/Fromhausen JournalistInnen verfolgte und massiv bedrohte. Diese Szene wurde auch in einem Bericht bei der Sendung Panorama ausgestrahlt. Lediglich wegen eines Verkehrsdeliktes wurde Ulrich daraufhin zu einer geringen Geldstrafe verurteilt. Die betroffenen Personen wurden hierüber nicht einmal informiert.

Ulrich wurde u.a. wegen Propaganda für eine verbotene Organisation und Sprengstoffbesitzes rechtskräftig verurteilt. Er hat gemeinsam mit seinem Vater den ehemaligen "Gau‐Westfalen" der 1994 verbotenen "Wiking‐Jugend" geleitet. Heute gehört er zum NPD‐Ordnerdienst von Manfred Börm aus Lüneburg. Zu den Anführern des HDJ‐Zeltlagers zählten denn auch alte Kader der "Wiking‐Jugend" (WJ). Börm selbst (auch in der HDJ aktiv) galt als Leiter der WJ Sektion "Nordmark".

Auch andere Ordner aus den Reihen der NPD nahmen am HDJ‐Lager in Fromhausen teil.
Unbeachtet von der Öffentlichkeit konnte sich die HDJ inzwischen zur größten jugendbetreuenden Neonazi‐Organisation entwickeln.

Bei Gerd Ulrich fanden allein in diesem Jahr bereits mehrere große Treffen von Nazikadern der HDJ statt. Vor wenigen Wochen liefen uniformierte HDJ Mitglieder durch Lemgo und verteilten dort Informationsmaterial.

Außerdem in Detmold: Eine Gruppe von Schülern nennt sich "NDJ" (Nationale Deutsche Jugend) und schwört bei einer eindrucksvoll inszenierten Fahnenverbrennung einen Eid auf das "Dritte Reich".

In ihrer Freizeit üben die 16‐ bis 18‐Jährigen den Bau und den Einsatz von Molotowcocktail's. Dies hat ja auch im weitesten Sinne was mit Saufen und leeren Flaschen zu tun, ... ist aber bei weitem kein "Kinderstreich". Am 22. März dieses Jahres wurde von einem 18‐jährigen Nazi ein Brandanschlag auf ein islamisches Gebetshaus in Sittensen verübt.

Ebenfalls also ein "Kinderstreich", der hätte Menschenleben kosten können.

Eine weitere Gruppe aus der Region nennt sich "Terrorcrew – die Jungs fürs Grobe" und stellt sich im Internet mit Hakenkreuzfahnen und Hitlergruß zur Schau. Zum Teil wurden die Bilder in einer öffentlichen Diskothek namens "Alpenmax" in Bad Salzuflen aufgenommen.

Diese Neonazis kommen alle aus der Region und posieren im öffentlichen Raum ohne dafür belangt zu werden – ohne dass anwesende Gäste dagegen protestieren.

Wir halten es für nicht hinnehmbar, dass es immer noch Menschen und vor allem Kneipenbetreiber in Detmold sowie anderswo gibt, denen die Nazis genehm sind und die sie akzeptieren.

Am 5. April werden wir wieder auf die Straße gehen, um zu zeigen, dass die Mehrheit der Gesellschaft nicht toleriert, dass faschistische Ideologien im öffentlichen Raum einen Platz finden (und im versteckten auch nicht).

Gemeinsam werden wir zeigen, dass Neonazis unerwünscht sind. Aber auch darüber hinaus ist jede/r Einzelne aufgefordert, im Alltag Zivilcourage zu zeigen und aktiv gegen rechtsextreme Umtriebe einzuschreiten. Ebenso wichtig ist es sich zu organisieren! Denn nur gemeinsam sind wir stark, können erfolgreich gegen die Neonazis in dieser Stadt kämpfen und sie aus dem öffentlichen Raum vertreiben.

Nazis den Hahn zudrehen – Keine Toleranz für Neonazis!


Veranstaltungen:


Am Freitag, den 28. März 2008 um 19.30 Uhr gibt es in der "alten Pauline" eine Informations‐ und Mobilisierungsveranstaltung für die Demonstration am 5. April: "Nazi‐Treffpunkten in Detmold den Hahn zudrehen!", anschließend ein Konzert mit Marius del Mestre, ehemaliger Gittarist von Ton Steine Scherben sowie der Punkband "turbt".

Am Dienstag, 1. April 2008, um 20.00 Uhr wird es in einer Veranstaltung darum gehen über neonazistische Strukturen in Detmold und Umgebung aufzuklären. Veranstaltungsort: Schlosswache, Lange Straße 58, 32756 Detmold.

Am Samstag, 29. März wird ab 14 Uhr an und in der Berlebecker Turn‐ und Festhalle ein Aktionstag: "Berlebeck gegen Rechts" mit einem Konzert der Sportfreunde Stiller stattfinden.
Es werden auch regelmäßige Sonntagsspaziergänge durchgeführt, um mit aktuellen themenbezogenen Informationen auf das Treiben der Rechtsradikalen Gruppe in Berlebeck aufmerksam zu machen.

Wir müssen leider draußen bleiben: Natürlich sind Neonazis und Anhänger der "Rechten Szene" von allen Veranstaltungen ausgeschlossen!

Hinweise "Unterstützung erwünscht"
Antifaschistischer Newsletter

Wat´n hier los ?

"Für linke Freiräume! Gegen rechten Lifestyle in Salzwedel und überall!"


Die Situation in der Stadt und auf dem Land verschlechtert sich kontinuierlich. Die Nazis haben sich breit gemacht. Besonders in Gardelegen, Klötze und Stendal verbreiten sie mit menschenverachtender Brutalität ihre rassistische Ideologie.
Zusätzlich werden unsere Freiräume massiv eingeschränkt durch die Schließung von Jugendclubs


Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Bevölkerung wegschaut, die Bedrohung dieser Situation verharmlost oder sie garnicht erst wahrhaben will. WIR akzeptieren das nicht!


Nazis wohin das Auge blickt...


Das Anwachsen der rechten Szene in den Städten verändert strukturell schnell und spürbar die alltäglichen Freiräume, nicht nur für uns Antifaschisten.


Auch für andere Gruppen der Gesellschaft, wie zum Beispiel MigrantInnen und andere Menschen, welche nicht ins rechte Weltbild passen, entstehen Räume, Plätze und Straßen, die nicht mehr angstfrei zu betreten sind.


Manche Kneipen, Clubs oder Bars sind uns und ihnen verwehrt durch rechte „Security's“, wie z.B. dem "Selbstschutz Sachsen-Anhalt". Das alles macht aus unserem zu Hause einen Ort, an dem wir nicht mehr willkommen zu sein scheinen. Was bedeutet dies für die Städte in der Altmark wie Salzwedel oder Stendal?
Zeitungen und PolitikerInnen verlieren kaum ein Wort darüber. WIR akzeptieren das nicht!


Aktiv werden statt akzeptieren! Es ist die Verantwortung von jedem und jeder Einzelnen von uns sich diesem Prozess zu stellen.


Denn nur zusammen können wir dem braunen Druck standhalten und Nazistrukturen, wie z.B. den "Freien Nationalisten Altmark West" entgegentreten und den rechten Lifestyle zurückdrängen. Unser Interesse gilt nicht mehr einem ruhigen alternativen Leben, in dem nur noch das radikale Plakat an der Wand an kämpferische Zeiten erinnert. Denn das lässt sich gut in das bunte Bild der liberalen PolitikerInnen integrieren. Nein, wir wollen aktiv werden und gemeinsam gegen menschenverachtende Zustände agieren.


Wir haben keine Angst zu kämpfen, wir haben keinen Bock darauf uns die Altmark Stück für Stück
nehmen zu lassen! Kommt am 19. April 2008 zur Antifademo nach Salzwedel und unterstützt uns im Kampf gegen den rechten Lifestyle!


*19. April 2008
* Salzwedel * 15 Uhr *
*Kulturhausvorplatz*




Antifaschistische Demo in Lübben

Die Autonome Antifa[schistische Aktion] Lübben, hat entschieden am 12. April 2008 eine antifaschistische Demonstration zu veranstalten. Der offensichtliche Grund hierfür ist ein "Anti-Repressions-Aufmarsch" der Freien Kräfte in der Kreis-Stadt.


Ihr Thema spielt auf die Polizeiliche Räumung


des Bunker 88, der sich in der Nähe des Bahnhofs befindet, an. Dabei wurde in dem von David
Schmidt angemieteten Gelände in der Nacht vom 12. zum 13. Januar ein Nazikonzert von der Polizei beendet und aufgelöst.


Zu diesem Konzert waren Nazis aus mehreren Bundesländern angereist. Von 176 der 190
Teilnehmer sei die Identität bekannt, sagte damals ein Polizeisprecher. Die Nazis kamen unter anderem aus Brandenburg, Berlin, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Damals verblieben 46 Nazis in der ehemaligen Brauerei und verbarrikadierten sich.


Im Bunker 88 wurde während der Polizeimaßnahme massiver Widerstand durch die Faschisten angekündigt und geleistet. Die Beamten der Spezialeinheiten des Landeskriminalamtes Brandenburg wurden beim Betreten des Objektes mit Flaschen beworfen und der Rest der Nazis wurde durch die Spezieleinheit geräumt.


Der Bunker 88 stellt nicht nur Regional eine wichtige Struktur der Faschisten, sondern ist bundesweit in Nazikreisen angesehen.


Lübben ist allgemein als Nazi-Hochburg bekannt.


Die Nazis veranstalteten bereits im Dezember 2006 solch eine Aufmarsch mit ca 200 Teilnehmern. Auch damals gab es eine Antifa-Demo.


Die antifaschistische Auftaktkundgebung findet am 12.04. 2008 um 13 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz statt. Da der Naziaufmarsch etwa zur selben Zeit am selben Ort beginnt, also in Sicht- und Hörweite sollte für alle Zuganreisenden Antifaschist_Innen klar sein, das auch die Nazis in den selben Zügen anreisen.


Für alle die aus der Richtung Cottbus kommen, wird in Cottbus der 12 Uhr Zug auf Gleis 2 empfohlen. Für Antifaschist_Innen die aus der Richtung Berlin kommen, sei der 12 Uhr Zug ab Berlin Alexanderplatz Gleis 1 empfohlen.


Beim letzten Nazi-Aufmarsch in Lübben gab es nicht nur eine Antifa-Demo, sondern auch 2
bürgerliche Veranstaltungen. Wir laden alle bürgerlichen und demokratischen Kräfte ein, sich an unserer Demonstration gegen den Bunker und den Naziaufmarsch, zu beteiligen.
Da wir gegen jede Form von Nationalismus demonstrieren, wollen wir keine National-Fahnen auf unserer Demonstration, außerdem auch keine Parteifahnen, da es auch nicht um die nächste Wahl geht.


Deshalb rufen wir alle Antifaschist_Innen dazu auf zur Antifaschistischen Demonstration am 12.04.2008 ins brandenburgische Lübben (Niederlausitz) zu kommen, um sich den Nazis in den Weg zu stellen!


12.04.2008 "Bunte Häuser statt Braune Bunker!"
Auftakt 13 Uhr Bahnhofsvorplatz Lübben, Demonstraton 14 Uhr.


Infos: http://www.vereinte-linke.org

Freitag, 28. März 2008

Vortrag zum Klimawandel - Klimaschutz

Am Dienstag, 1.April um 19.30 Uhr hält Wolfgang Jahn von der Greenpeace-Gruppe Essen im Sozialen Zentrum in der Rottstr. einen Vortrag über: “Klimawandel – Klimaschutz: Was getan werden muss, was jeder tun kann und warum es sich lohnt, das Klima zu schützen!” In der Einladung heißt es: “Dass der Klimawandel längst begonnen hat, leugnet kaum jemand mehr. Was aber muss getan werden, um katastrophale Folgen aufzuhalten? Der Vortrag zeigt Möglichkeiten der Einflussnahme auf Politik und Industrie, sowie Schritte, die jeder einzelne tun kann, um das Klima zu schützen. Aufgezeigt werden Energiesparmaßnahmen, die Wahl richtiger Energiequellen und der Zusammenhang zwischen dem Schutz der Wälder und dem Klimaschutz.” Veranstalter ist attac campus.

mehr Informationen: http://www.sz-bochum.de/2008/03/26/klimawandel-klimaschutz-was-getan-werden-muss

Nazis an Dortmunder Schulen / Anschlag auf das Taranta Babu: Was denken Faschisten und was ist daran verkehrt?

Veranstaltungshinweis

Die Gruppe Illoyal Dortmund lädt ein zum Diskussionsabend "Nazis an Dortmunder Schulen / Anschlag auf das Taranta Babu: Was denken Faschisten und was ist daran verkehrt?" am 3.4.2008 um 19.00 Uhr ins Taranta Babu, Humboldtstr. 44, Dortmund. 

Hier eine kleine Beschreibung der Veranstaltung:

'Nazis haben Nichts in der Birne' - schön wär's. Dann wären diese Leute um Einiges harmloser: Würden keine rechte Propaganda machen und keine Gesinnungstaten vollbringen. Deren Aktionen zeugen jedoch von einigen falschen Urteilen über den politischen Laden, in dem sie leben.
Diese Urteile wollen wir auf der Diskussionsveranstaltung analysieren und kritisieren. Wie z. B.:
'Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!' - 'Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!' - u. a.

mehr Infos: http://www.illoyal.gegeninformation.net/
www.tarabtababu.de

Donnerstag, 27. März 2008

Demokratische und soziale Rechte verteidigen!

Aufruf der VVN zur Kundegebung am Mahnmal der Kämpfer gegen den Kapp-Putsch und den Hitler-Faschismus am Sonntag den 30. März 2008.

1933 wurden in Deutschland Menschen erschlagen und Bücher verbrannt, die Gewerkschaften und Arbeiterparteien verboten, Konzentrationslager geschaffen - errichteten die Nazis das „Dritte Reich“. Den Boykottaufrufen „Deutsche, kauft nicht bei Juden“ folgte wenige Jahre später die Ermordung von Millionen Juden aus ganz Europa. Auf die Maßnahmen zur Kriegsvorbereitung und die Aufrüstung des Militärs folgte der „totale Krieg“. Nach zwölf Jahren war Hitlers „Tausendjähriges Reich“ am Ende und Deutschland lag in Schutt und Asche.
Spielt das alles heute noch eine Rolle?
Ist das nicht Geschichte und Vergangenheit?
Oder sagen uns die damaligen Ereignisse etwas für unsere Gegenwart?
Nach der Befreiung von Faschismus und Krieg 1945 hatten Viele geglaubt, dass der Faschismus ausgerottet sei. Doch schon 1947 gab es neofaschistische Anschläge, Hakenkreuzschmierereien und in ersten Hetzschriften wurden die Verbrechen der Nazis geleugnet. Mit Hetze gegen Ausländer, nationalistischen Sprüchen und blankem Terror gelang es verschiedenen neonazistischen Parteien (NPD, DVU, Republikaner) in den letzten Jahren in verschiedene Kommunal- und Landesparlamente gewählt zu werden, so z. B. auch in Städten wie Dortmund, Gelsenkirchen, Köln und Wattenscheid. Diese Kräfte treten wieder mit offenem Antisemitismus in Erscheinung und wenden sich zum Beispiel gegen den Bau einer Synagoge in Bochum.
Hinzu kommt, dass der Antikommunismus, mit dem schon Hitler operierte, wieder zu einem Mittel der politischen Auseinandersetzung wird. Rechtskräfte bis hin zu Teilen der politischen Mitte wollen mit ihm die Kräfte bekämpfen, die sich nicht mit Armut und Arbeitslosigkeit abfinden, und gesellschaftliche Veränderungen wollen.
Arbeit und Bildung, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden waren einige der Ideale und Ziele, für die sich die Kämpfer gegen den reaktionären Kapp-Putsch von 1920 und den Hitler-Faschismus einsetzten. Für diese Ziele gilt es auch heute aktiv zu sein. In diesem Sinne wollen wir auch in diesem Jahr wieder an die ermordeten Kämpfer gegen den Kapp-Putsch und antifaschistische Widerstandskämpfer erinnern und an ihrem Denkmal in Bochum-Werne Kränze niederlegen. Ihr Mut, Einsatz und Idealismus sollte für uns heute Verpflichtung sein, den Neonazis den Weg zu versperren und für Frieden, Freiheit, Solidarität und sozialen Fortschritt einzutreten.

DEMONSTRATION und KRANZNIEDERLEGUNG
Sonntag, 30.März 2008
11.00 Uhr, Treffpunkt: Marktplatz Werne

Am Denkmal auf dem Kommunalfriedhof spricht:
Michael Hermund, DGB-Vorsitzender Region Ruhr - Mark


ANTIFASCIST YOUTH FESTIVAL ´08



Am 9.05. und 10.05.2008 im Druckluft in Oberhausen.

Programm am Freitag ab 20.00 Uhr:


(Oi! aus Belfast/Ireland)
http://www.riotbois.com/
http://www.myspace.com/runninriotofficialsite


(Punk Rock aus Bielefeld)
http://www.commandantes.de
http://www.myspace.com/commandantes


(Punk/Hardcore aus Manchester/UK)
http://www.flatbackfour.co.uk
http://www.myspace.com/flatbackfour


(Oi! aus Hannover)
http://www.lionshield.de
http://www.myspace.com/lionshieldhannover




Programm am Samstag, den 10.05.2008:

15.00 Uhr: Infoveranstaltung - Antifaschismus in Russland

Wer feiern kann, kann auch mal was für die Birne tun, also gibt es auch dieses Jahr wieder eine Informationsveranstaltung zu einem aktuellem, politischen Thema im Rahmen des „Antifascist Youth Festivals“.

Wir laden zu einem Vortrag zum Thema „Antifaschismus in Russland“.

Von der Öffentlichkeit völlig ignoriert kämpfen in Russland Menschen unter denkbar schlechten Bedingungen für unsere gemeinsamen Ziele, diese werden oftmals nicht nur ausgegrenzt und angegriffen, sondern sind dem offenen Terror durch Staat, politische Gegner und ein feindliches gesellschaftliches Klima ausgesetzt.

Aktiver Antifaschist in Russland zu sein bedeutet sich alltäglich einer konkreten Gefahr für Leib und Leben auszusetzen.

Die ReferentInnen werden einen Überblick über die derzeitige Situation von russischen Antifaschisten geben, und uns von ihrem Alltag in einem zunehmend repressiveren Staat berichten, in dem Antifaschismus über 80 Jahre Doktrin war.

An
schließend zu den Vorträgen stellen sich sich die ReferentInnen, die über Informationen zu der jetzigen Situation und zu den Übergriffen der letzten Jahre verfügen, unseren Fragen.

Der Eintritt ist natürlich frei!


ab 20.00 Uhr:




(Ska / Rock Steady / Reggae aus Belgien)
http://moon-invaders.apinc.org//
http://www.myspace.com/mooninvaders


(Ska und Rock Steady aus der Hansestadt)
http://www.kmob.net/
http://www.myspace.com/kmob


(Ska Reggae Jazz Punk aus Erfurt)
http://www.vibrationsyndicate.de/
http://www.myspace.com/vibrationsyndicate


(Proll Ska ausm Pott)
http://www.incrediblederrick.de/
http://www.myspace.com/theincrediblederrick

Anschließend Nighter mit Ska / 2Tone / Rock Steady /
Skinhead Reggae / Early Reggae / Northern Soul



Vorverkauf
Die Karten für das diesjährige Antifascist Youth Festival im Druckluft/Oberhausen sind sowohl im
Internet und telefonisch (01805-969 0000), als auch über diverse Vorverkaufsstellen (in D'dorf z.B. "Ticketshop Kautz" auf der Adersstr. 48, City) deutschlandweit über Kartenhaus erhältlich.

Die Preise inkl. Vorverkaufsgebühr:

Freitag, 09 Mai (Runnin' Riot, Commadantes, Lion Shield, Flat Back Four): 9.50 EUR
Samstag, 10 Mai (Moon Invaders, K-Mob, The Incredible Derrick, Vibration Syndicate): 11.70 EUR
Kombiticket: 17.25 EUR

Ergänzung (27.03): Ab sofort sind Karten auch bei allen Vernstaltungen von CSB D'dorf, E.L.S.E. und Skaturday Night erhältlich.

Übernachtungsmöglichkeit
Als günstige Übernachtungsmöglichkeit während des Festivals empfehlen wird bas Backpacker Hostel "In Hostel Veritas" in Oberhasuen (Essener Str. 259). Dort lässt sich schon ab 15 EUR die Nacht verbringen.

Bus&Bahn:

Klick auf folgenden Link für Oberhausen Hbf
http://efa.vrr.de/vrr/XSLT_TRIP_REQUEST2?language=de&place_destination=ob&name_destination=hbf&type_destination=stop&sessionID=0

Dienstag, 25. März 2008

Festival der Jugend vom 9.5. - 12.5.2008 in Köln



Zeit zu kämpfen – Zeit zu feiern.

Pfingsten: Vom 9. Mai bis zum 12. Mai findet in Köln das „Festival der Jugend“ statt.

Ein breites politisches und kulturelles Programm soll Jugendliche motivieren, ihre sozialen und politischen Rechte einzufordern und ihnen den Rücken stärken im Kampf um ihre Rechte.
In der heutigen gesellschaftlichen Situation ist es notwendig, gerade Jugendlichen eine Alternative zum Konkurrenzkampf unter Alters- und Klassengenossen und -genossinnen zu bieten.

Es ist Zeit, sich zu wehren gegen Bildungsabbau und  Ausbildungsplatzvernichtung – gemeinsam gegen Zukunftskiller:

Die Unternehmer klagen über fehlende Bildung beim Ausbildungsbeginn und Politiker versprechen, das deutsche Schulsystem zu verbessern.
ABER: Die neuen Schulgesetze erschweren Jugendliche den Zugang zu Bildung. Für Bücher müssen sie zahlen, die Klassen werden größer, zentrale Prüfungen erhöhen den Druck… Das alles grenzt Jugendliche, die keine reichen Eltern haben, systematisch aus dem Bildungssystem aus.

Die Unternehmer streichen Jahr für Jahr ihr Ausbildungsplatzangebot zusammen und setzen Jugendliche nach der Ausbildung auf die Straße. So wächst die Zahl der jungen Erwerblosen.
ABER: Während Jugendlichen ein beruflicher Einstieg verwehrt wird und Millionen Menschen insgesamt von Arbeit ausgeschlossen sind, zwingen die Unternehmer die ArbeiterInnen und Angestellten, für das gleiche Geld immer mehr Stunden und Lebensjahre zu schuften. Überstunden und Arbeitshetze nehmen ständig zu.

Die Unterhaltungsindustrie bietet immer mehr Freizeitangebote:
Open-Air-Festivals ohne Ende, Fußballspiele werden zu Großevents, ein Trend in der Musikindustrie jagt den nächsten. ABER: Die meisten Jugendlichen können sich diesen Spaß nicht leisten, weil sie die Härte von Hartz IV zu spüren bekommen, weil ihre Azubi-Vergütung nicht reicht oder die Studiengebühren fällig sind. Wenn sie einen Job ergattert haben, hindern Überstunden Jugendliche daran, Freizeit zu erleben, oder Sie sind nach der Arbeit einfach platt.

Diesen Zuständen haben wir den Kampf angesagt. Deshalb laden wir alle SchülerInnen, Azubis, junge Erwerbslose und natürlich auch alle solidarischen Älteren ein: Kommt zum „Festival der Jugend“ ! Wir wollen solidarisch diskutieren und gemeinsam feiern. Wir wollen zusammen Pläne schmieden zum Kampf um unsere Rechte! Und wir werden eine Alternative zum teuren Konzert- und Eventlifestyle bieten. Unsere Veranstaltungen und Konzerte werden alle besuchen können – niemand wird wegen Hartz IV, Ausbildungsplatzmangel oder knapper Kasse vor der Tür bleiben.


Erste Programmpunkte stehen fest.

Freitag 9. Mai: 19.00
Reimland. HipHop gegen Ausbildungsplatzmangel und Bildungsabbau.
Mit:
Microphone Mafia, italienisch-türkisch-kölscher Rap
Chaoze One & Lotta C., HipHop aus Mannheim
Anarchist Academy, HipHop, Lüdenscheid & Köln, im Anschluss:
Nachtschicht mit dem Soul Power Soundsystem, Düsseldorf

Samstag 10. Mai, 19.00
Ska Nighter. Wer sich nicht bewegt – spürt seine Fesseln nicht!

The Special Guest, Old Ska aus Berlin
The Clerks, Ska aus dem Rheinland

Diskussionsrunden:
Zeit sich zu wehren. Gemeinsam gegen Zukunftskiller!

Der Jugend gehört die Zukunft“ – solche Slogans sind hören wir, wenn
Politiker sich zu Jugendinteressen äußern. Doch unsere Zukunftsperspektiven sind auch 2008 düster. In der Schule: überarbeitete Lehrer in viel zu großen Klassen. Nach der Schule: Hunderttausende fehlende Ausbildungsplätze, Arbeitshetze, Studiengebühren und als Drohung über uns allen: ein „Leben“ in den Mühlen von Hartz IV.

Cuba heute
In dieser Diskussionsrunde werden der Frage nachgehen, in welcher Situation sich die sozialistische Republik heute befindet und welchen Einfluss sie auf die rote Welle in Lateinamerika hat.
Diskussionspartner:
Gerardo Penalver Portal, Botschafter der Republik Cuba in Deutschland und Frank Schwitalla, Vorsitzender des Solidaritätszusammenschlusses Netzwerkes Cuba

"Vernetzte Sicherheit"
Bundeswehr im Ausland, Inland und überall?
Im offiziellen "Weißbuch" der Bundesregierung von 2006 wird verkündet, die Bundeswehr müsse eingesetzt werden, um nicht nur "militärische, sondern auch gesellschaftliche, ökonomische, ökologische und kulturelle" Gefahren zu bekämpfen.
Mit Christoph Marischka, Informationsstelle Militarisierung Tübingen



Venezuela auf dem Weg zum Sozialismus
Das Scheitern der Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung im Dezember 2007 war zwar ein Rückschlag auf dem Weg zum Sozialismus, doch in Venezuela gibt man den Kampf nicht auf.
Mit: Dr. Blancanieve Portocarrero, Botschafterin der Bolivarischen Republik Venezuela (angefragt) und Günther Pohl, Latein- und Südamerika Kenner, Internationale Kommission der DKP

Bundeswehr wegtreten“.
Wer die Öffentlichkeit sucht, der muss sie auch ertragen Reklame-Einsätze der Bundeswehr in Arbeitsämtern, Schulen oder Messen bewerben die Armee als zuverlässigen Arbeitgeber und Bildungspartner.
Aktionen der Initiative „Bundeswehr wegtreten“ enttarnen die Selbstinszenierung der Bundeswehr als geschicktes Manöver, immer mehr Rekruten zu gewinnen. „Bundeswehr wegtreten“ zeigt Wirkung – und wie’s geht.
Ein Vertreter berichtet von ihren Aktionen.

Iran: Neues Blut für Öl?
Die US-Regierung scheint fest entschlossen noch vor Ablauf der Bush-Präsidentschaft mit dem Iran ein neues Land des Mittleren Osten mit Krieg zu überziehen. Und das obwohl der eigene Geheimdienst zugeben musste, dass die Iran kein Kernwaffenprogramm verfolgt. Tobias Pflüger informiert über die aktuelle Kriegsgefahr und die Haltung und Interessen der EU und der BRD in der Region.
Mit Tobias Pflüger, Mitglied des EU-Parlaments (angefragt)

Zukunftskiller im Bildungsbereich.
Die Rolle der Bertelsmannstiftung
Ob in der Schulstrukturdebatte oder bei der Umstrukturierung der Unis zu Eliteschmieden: Die Bertelsmannstiftung hat ihre Hände im Spiel. Die private Stiftung „berät“ die Politik und setzt so stringent ihre neoliberalen Kurs fort: Richtung Elitebildung für Wenige und Schmalspurbildung für den Rest.
Mit Udo Spengler (Lehrer und Kommunist)

Verbrannte Bücher
Lesung aus Büchern, die von den Nazis vor 75 Jahren Verbrannt worden sind

Noch mehr Programm, alle Anfangszeiten unter:

www.festival-der-jugend.de | festival@sdaj-netz.de


Das Festival der Jugend beginnt am Freitag, 9. Mai um 19.00. und Endet am Montag 12. Mai
Veranstaltungsort ist der Jugendpark Köln. Nazis und Rassisten sind von der Veranstaltung ausgeschlossen. Pressevertreter sind herzlich eingeladen, sie müssen sich anmelden.

Veranstalterin ist die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend [SDAJ].
Weitere Informationen: presse@sdaj-netz.de, oder festival@sdaj-netz.de


Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend [SDAJ] | Hoffnungstrasse 18 | 45127

Essen | presse@sdaj-netz.de | www.sdaj-online.de | Verantwortlich: M. Grüß, Hoffnungstr. 18, Essen

«Nato game over» ein etwas anderer Ostermarsch!

aus der Fauchrundmail 23.03.2008


Etwa 1000 Menschen aus 17 verschiedenen Ländern beteiligten sich am Samstag den 23. März an einem Protestmarsch auf das NATO-Hauptquartier in Brüssel, welches seit 1967 mit dem Nordatlantikrat das Hauptorgan der NATO beherbergt, es gab ca. 500 Festnahmen und auch Verletzte.

In Brüssel sind die ständigen Vertreter und nationalen Delegationen, der Generalsekretär und der Internationale Stab, die nationalen Militärischen Vertreter, der Vorsitzende des Militärausschusses sowie der Internationale Militärstab untergebracht.

Außerdem befinden sich dort die diplomatischen Vertretungen einer Reihe von Partnerstaaten, der C3-Stab der NATO (Konsultations- und Führungssysteme) sowie zahlreiche NATO-Behörden. Im NATO-Hauptquartier sind ungefähr 3.150 Vollzeitkräfte beschäftigt.


Neues strategisches Konzept geplant

"NATO ... bedeutet, dass man in Kriege wie im Irak oder in Afghanistan verwickelt wird", sagte Hans Lammerant von der belgischen Gruppe Forum voor Vredesactie. "Das ist die NATO von heute, und wir wollen zeigen, dass wir das nicht wollen.? Die Initiative fordert vom bevorstehenden NATO-Gipfeltreffen einen Abbau der Eingreifkräfte, außerdem führten die Beteiligten die Aktion unter dem Motto «Nato game over» durch, um eine Debatte über die Rolle des Militärbündnisses in der Welt anzustoßen. „Die Nato ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg“, sagte ein Mitglied der Organisation Vredesactie weiter. Auf dem Gipfel in Rumänien steht eine fundamentale Reform der Nato auf dem Programm. Zum 60. Geburtstag der Nato im Jahr 2009 wolle man ein neues strategisches Konzept vorlegen, sagte der Aktivist weiter. Die Ausgaben für das Militär müssten verringert werden. Die DemonstrantInnen werfen dem aus 26 Mitgliedsländern bestehenden Sicherheits- und Verteidigungsbündnis Kriegstreiberei in Afghanistan und dem Irak vor. Die Kriege in den beiden Ländern seien erst durch die Einmischung der Nato möglich geworden. Zudem kritisierten die Demo-Organisatoren an der Nato, 350 US-Atomwaffen illegal in Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden und der Türkei stationiert zu haben.


Polizei verschwieg zunächst die Anzahl der Festnahmen

Die Polizei hatte rund um das Brüsseler Nato-Gelände seit Samstagmorgen Posten bezogen. „Zwischen 50 und 70 Menschen schafften es auf das Nato-Gelände, wurden aber sofort eingesammelt. Die anderen wurden festgenommen, als sie dicht an den Zaun kamen“, sagte ein Polizeisprecher. Trotz massiver Polizeipräsenz waren die AktivistInnen auf das Gelände vorgedrungen. Die Polizei hatte das Gelände weiträumig abgesperrt, die Demonstranten benutzten zum Teil kleine Matratzen oder Teppiche um beim Erklettern des Zauns den Stacheldraht abzudecken.

Einigen gelang es, auf das Gelände des Verteidigungsbündnisses vorzudringen, viele wurden vorher festgenommen oder von Wasserwerfern abgedrängt. Die Polizei wollte die Demonstrantnnen nach den ersten Meldungen am Abend wieder freilassen, nun sollen sie, darunter auch mehrere Deutsche, nach den letzten Informationen so schnell wie möglich vor ein Gericht gestellt werden. Die belgische Polizei hatte bei der Aktion insgesamt fast 500 DemonstrantInnen festgenommen, zunächst hieß es in einigen Zeitungen es seien nur etwa 150 Festnahmen durchgeführt worden, eine Schätzung auch unter anderem weil die Polizei keine Angaben zu der Anzahl machen wollte. Ein Nato-Sprecher erklärte auch, niemand sei auf das Gelände vorgedrungen. Mindestens ein Demonstrant wurde jedoch mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, nachdem er in einen Stacheldrahtzaun gefallen war, wie später eine Polizeisprecherin mitteilte. Die Festgenommenen, sollten so schnell wie möglich vor Gericht gebracht werden.


Rumänien schickt die Spitzel los

Währenddessen hat Rumänien am 20. März sechs Deutschen die Einreise verweigert, die nach den Informationen der Nachrichtenagentur Reuters möglicherweise gewalttätige Proteste zum Bukarester Nato-Gipfel im April geplant haben sollen. Die Männer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren stünden im Verdacht, zu einer anarchistischen Gruppe zu gehören, teilten Polizei und Geheimdienst nach den Informationen der Nachrichtenagentur am Freitag mit. Sie hätten am Donnerstag versucht, mit zwei Fahrzeugen über Bulgarien nach Rumänien einzureisen. Bei einer Routine-Durchsuchung seien bei ihnen CDs, Magazine, Flugblätter, Broschüren und Anstecker mit Nato- und „globalisierungsfeindlichen Parolen“ gefunden worden. Diese Dinge hätten während des Gipfels zur Organisation von möglichen gewalttätigen Protesten genutzt werden können, hieß es. Den Männern sei die Einreise verweigert worden, sie seien nach Bulgarien zurückgekehrt.

Die rumänische Zeitung "Ziua" berichtete erst letzte Woche ihre Erkenntnisse über geplante gewalttätige Proteste welche im Internet veröffentlicht worden wären. So sollen sich demnach am 31. März aus Berlin Busse mit „Anarchisten“ auf den Weg begeben, die über Dresden, Wien und Budapest nach Bukarest fahren sollen. Ein Ticket koste laut "Ziua" etwa einhundert Euro. Auf anarchistischen Webseiten seien zudem Angaben über die Ausrüstung der rumänischen Polizei veröffentlicht sowie die Länder aufgelistet, deren Bürger ohne Visum nach Rumänien einreisen dürfen. Das Innen- und das Verteidigungsministerium des Landes hätten verstärkte Sicherheitsvorkehrungen während des für den 2. bis 4. April geplanten Nato-Gipfels angekündigt. Armee-Einheiten sollen in erhöhte Bereitschaft versetzt werden, Militärflugzeuge sollen rund um die Uhr am Himmel über Bukarest patrouillieren. Während des Gipfels unter dem Titel "partnership for peace" diskutieren die politischen und militärischen Spitzen der Mitgliedstaaten des Bündnisses zukünftige Schwerpunkte ihres weltweiten Engagements. Ein breites Bündnis verschiedenster Organisationen aus mehreren europäischen Ländern ruft zum Protest gegen den Gipfel und die Kriegseinsätze der NATO auf.


Weder Wasser noch Nahrung

Unterdessen gibt es erste eine erste Stellungnahme der Festgenommenen zu der Aktion der rumänischen Grenzpolizei. So sollen die deutschen Anti-KriegsaktivistInnen ohne Angabe von Gründen bei der Einreise festgenommen worden sein. Die AktivistInnen waren Angaben zufolge nach einer Informationstour zum diesjährigen NATO-Gipfel durch Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Serbien und Bulgarien auf dem Weg nach Bukarest. Die AktivistInnen seien bei der Einreise mit der Fähre vom bulgarischen Vidin in die rumänische Grenzstadt Calafat durch die rumänische Grenzpolizei in Gewahrsam genommen worden. Ihr Gepäck und ihre Autos seien ergebnislos durchsucht worden. Während der anschließenden 19-stündigen Haft seien sie weder mit Wasser noch mit Nahrung versorgt und in der Nacht vom rumänischen Geheimdienst SRI stundenlang verhört worden. Hierbei sei deutlich geworden, dass der Dienst die Gruppe gezielt abgefangen habe. Nach Ihrer Freilassung sei die Gruppe ohne Begründung nach Bulgarien abgeschoben worden. „Mit Willkürakten, wie diesen bezwecken die rumänischen Behörden offensichtlich kritische Menschen einzuschüchtern und den Protest gegen die Kriegspolitik der NATO im Keim zu ersticken.“ äußerte einer der Festgenommenen.


Video zur Aktion in Belgien
http://www.indymedia.be/nl/node/26750

Fotoreportage 1
http://www.indymedia.be/nl/node/26743

Fotoreportage 2
http://www.indymedia.be/nl/node/26740


Fotoreportage 3
http://www.indymedia.be/nl/node/26744

Fotoreportage 4
http://www.indymedia.be/nl/node/26748

Fotoreportage 5
http://www.indymedia.be/nl/node/26752

Für mehr Informationen:
http://www.indymedia.be/
http://belgium.indymedia.org/

/www.rtbf.be/info/belgique/ARTICLE_169423

Proteste in Tibet

Amnesty International fordert Stopp der Gewalt und unabhängige Untersuchung durch die Vereinten Nationen

Die chinesische Regierung hat versprochen, die Menschenrechtssituation zu den Olympischen Spielen 2008 zu verbessern. Doch während sich die Fackel China nähert, um das Olympische Feuer im Stadion von Peking zu entzünden, wird das Land von schwerwiegenden Menschenrechtsproblemen überschattet. Seit Monaten geht die chinesische Regierung verstärkt gegen Kritiker im Lande vor. Menschenrechtsaktivisten werden bedroht, unter Hausarrest gestellt, verhaftet. Die Niederschlagung der Proteste in Tibet ist ein weiteres trauriges Beispiel für diese Politik.

Das Vorgehen in Tibet bestätigt die Befürchtung von AI, dass die Ausrichtung der Olympischen Spiele nicht automatisch zu einer Verbesserung der Menschenrechtssituation in China führt. Sie sind außerdem ein Beleg dafür, dass Peking sich nicht an sein Versprechen aus dem Jahr 2001 hält: Die Einhaltung der Menschenrechte im Vorfeld der Spiele zu verbessern.

Die Position von amnesty international

ai ist sehr besorgt darüber, dass die chinesischen Sicherheitskräfte exzessive Gewalt gegen tibetische Demonstranten einsetzen und die Rechte der Tibeter auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit beschneiden. Darüber hinaus befürchtet ai, dass es in der angespannten Situation zu weiteren Menschenrechtsverletzungen kommen könnte.

Deshalb fordert ai von den chinesischen Behörden,

  • keine exzessive Gewalt bei der Wiederherstellung der Ordnung und dem Schutz von Menschen und Eigentum einzusetzen;
  • eine unabhängige Untersuchungskommission der UN zuzulassen
  • Journalisten sowie anderen unabhängigen Beobachtern die Einreise nach Tibet und in die angrenzenden Provinzen zu gestatten
  • umfassend über die Lage der Inhaftierten zu informieren, sicherzustellen, dass sie nicht misshandelt werden und Zugang zu einem fairen Verfahren erhalten;
  • das Recht jedes Menschen auf Meinungsfreiheit zu respektieren und alle Menschen freizulassen, die wegen der friedlichen Teilnahme an den Protesten festgenommen worden sind.

Besonders für Journalisten sollte der Zugang zu den tibetischen Provinzen erlaubt werden: Schließlich feiern die chinesische Regierung und das Internationale Olympische Komitee (IOC) die freie Berichterstattung durch ausländische Journalisten als Errungenschaft im Vorfeld der Olympischen Spiele. Die Regelung, nach der ausländische Journalisten keine Genehmigung der chinesischen Behörden einholen müssen, um vor Ort recherchieren oder Interviews führen zu können, ist bereits in Kraft getreten.

Wie ist derzeitig die Lage für die Menschen in Tibet?

Verlässliche Informationen aus Tibet sind derzeit jedoch kaum mehr zu bekommen, insbesondere da der Zugang für Journalisten und andere Beobachter zu den Orten, an denen Proteste stattfanden, nicht mehr möglich ist. Berichten zufolge nehmen Polizei und Militär in Lhasa systematisch Razzien vor. Einzelne Bewohner werden nach Angaben von Augenzeugen aus ihren Häusern gezerrt.

Was geschah in Tibet?

Die Proteste begannen am Montag, den 10.3.2008, als über 400 Mönche aus dem Kloster Drepung einen Demonstrationszug in Richtung der tibetischen Stadt Lhasa anführten. Sie wollten friedlich gegen eine von der Regierung angeordnete Kampagne protestieren, in der die chinesische Regierung tibetische Mönche dazu zwingt, den Dalai Lama schriftlich zu verurteilen. Über 50 Mönche wurden auf dem Weg in die Stadt verhaftet. In diesem Zusammenhang hat ai eine Eilaktion für 15 Mönche gestartet, deren derzeitiger Aufenthaltsort unbekannt ist. Sie befinden sich in großer Gefahr, misshandelt oder gefoltert zu werden. Unterstützen Sie unsere Eilaktion.

Der von den Mönchen in Drepung ausgelösten Bewegung schlossen sich andere Klöster sowie Menschen in Lhasa und anderen Landesteilen Tibets an. Auch aus den benachbarten Provinzen Qinghai, Gansu und Sichuan wurde über Proteste von Tibetern berichtet.

Polizei und Militär haben Berichten zufolge mit Tränengas in die Menge geschossen, Demonstranten geschlagen und scharfe Munition auf sie abgefeuert, um die Menge zu zerstreuen. Am Freitag wurden die Demonstrationen in Lhasa gewalttätiger, einige Demonstranten setzten Polizeifahrzeuge und Geschäfte von Chinesen in Brand. Offiziellen chinesischen Angaben zufolge hat es 13 Tote bei den Unruhen gegeben, während tibetische Exilorganisationen von rund 100 Toten ausgehen.

Tote, Verletzte und zahllose Festnahmen - das Vorgehen gegen die anfangs friedlichen Proteste in Tibet zeigt die harte Linie der chinesischen Führung im Vorfeld der Spiele allzu deutlich.

Sie können etwas dagegen tun!

Jeder kann sich gegen die Menschenrechtsverletzungen in China und Tibet engagieren. Helfen Sie mit, erinnern Sie China an sein Versprechen, die Einhaltung der Menschenrechte im Vorfeld der Olympischen Spiele zu verbessern. Unterstützen Sie unsere Kampagne und fordern Sie mit Ihrer Petitionsunterschrift: Gold für Menschenrechte! www.goldfuermenschenrechte.de

Oder schreiben Sie Appelle mit den Forderungen an den chinesischen Ministerpräsidenten:

Ministerpräsident
WEN Jiabao Guojia Zongli
The State Council General Office
2 Fuyoujie, Xichengqu
Beijingshi 100017
VOLKSREPUBLIK CHINA

Bitte schicken Sie Kopien an die chinesische Botschaft:

Kanzlei der Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Herrn Ma Canrong
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin

Vielen Dank.

Mehr Information:

Eilaktion für 15 inhaftierte tibetische Mönche

GOLD FÜR MENSCHENRECHTE

Vorgänge in Tibet: Jetzt Druck auf China nötig!

Tension in Tibet as Police raid homes

China: Net tightens on Bejing activists as Olympic Games approach


Freitag, 21. März 2008

…denn es ist unsere Stadt!



Antifaschistische Union Dortmund

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration in Gedenken an Thomas “Schmuddel” Schulz am 29.03.2008 in Dortmund!

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass am Abend des 28. März 2005 der Punk Thomas “Schmuddel” Schulz in der U-Bahn-Station Kampstraße von dem damals 17-jährigen Nazi-Skin Sven Kahlin brutal niedergestochen wurde und kurze Zeit später verstarb. “Schmuddel” wollte die rechten Provokationen Kahlins nicht unkommentiert lassen und bezahlte seinen Mut und seine Zivilcourage letztendlich mit seinem Leben. Die organisierte Neonazisszene in Dortmund sprach in Bezug auf Kahlin von einem “Kameraden” und nur wenige Tage nach dem Mord erschien auf einem bundesweiten Neonaziportal im Internet eine Erklärung in der es hieß: “Die Machtfrage wurde gestellt und wurde für uns befriedigend beantwortet: Dortmund ist unsere Stadt!” Damit hatte die Gewalt der Neonazis in Dortmund ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Auch nach der Tat nahmen die Aktivitäten der Neonazis keinen Abbruch. Diese reichten von der Verbreitung von Plakaten und Aufklebern über ihre regelmäßig stattfindenden Aufmärsche bis zu gewalttätigen Überfällen. Im Vorfeld der letztjährigen Gedenkdemonstration für „Schmuddel“ verklebten sie beispielsweise in der ganzen Stadt, insbesondere entlang der Route der antifaschistischen Demonstration Aufkleber, auf denen neben der unverhohlenen Drohung „Antifaschismus ist ein Ritt auf Messersschneide!“ ein blutverschmiertes Messer abgebildet war. Diese geschmacklose Anspielung dokumentiert allzu deutlich, dass die Strategie der Neonazis neben ihrer häufigen Präsenz auf den Straßen durch Kundgebungen und Aufmärsche die Einschüchterung ihrer Gegner ist. Mit ihren zahlreichen, mittlerweile immer von Dennis Giemsch angemeldeten, Aufmärschen durch Dortmund wollen sie ihre vermeintliche Dominanz unter Beweis stellen und den Eindruck entstehen lassen, es gäbe hier keine Menschen, die sich ihnen in den Weg zu stellen bereit wären.

Durch den entschlossenen Protest von AntifaschistInnen, die dieser Wunschvorstellung zum Trotz an den Demonstrationen des Bündnis 28.3. teilnahmen und nicht selten dafür sorgten, dass die Aufmärsche der Neonazis keineswegs störungsfrei verliefen, sondern wie am 3.9.2005 oder am 28.1.2006 umgeleitet bzw. frühzeitig abgebrochen werden mussten, wurde das größenwahnsinnige Selbstbild der Neonazis mehr als einmal erschüttert. Die größte Schlappe war für Giemsch, Deptolla, Surmann und die aus ganz Westdeutschland angereisten „Kameraden“ jedoch ihr Aufmarsch am 1.Mai. Nachdem mehrere hundert AntifaschistInnen die S-Bahnstrecke, über die die Neonazis eigentlich zum Ort ihrer Auftaktkundgebung anreisen wollten, mit brennenden Barrikaden blockiert hatten, saßen hunderte von ihnen für mehrere Stunden am Hauptbahnhof und in Dorstfeld fest. Nur durch einen von der Polizei organisierten Shuttleservice mit städtischen Bussen konnten sie mit erheblicher Verspätung und gedämpfter Stimmung zu ihren „Kameraden“ stoßen, die die erste Hälfte der Route bereits mit nur 200 Teilnehmern hinter sich gebracht hatten und mittlerweile bei ihrer Zwischenkundgebung angekommen waren. Das mediale Entsetzen über die „gewalttätigen Ausschreitungen linker Chaoten“ darf auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, dass dieser antifaschistische Protest gegen die Neonazis, im Gegensatz zum volkfestartigen Zusammen kommen des DGB im Westfalenpark, erfolgreich war und Wirkung erzielt hat.

Dass sich den Neonazis in Dortmund niemand entgegenstellt ist also schlichtweg falsch. Das musste auch Thorsten Kellerhof feststellen, der in Bochum das Bekleidungsgeschäft „Goaliat“ betrieben hatte, in dem u.a. Kleidungsstücke der Nazimarke „Thor Steinar“ zum Verkauf angeboten wurden. Nachdem er den Laden in Bochum wegen der anhaltenden Proteste schließen musste, hatte er sich offenbar gedacht, dass er in Dortmund auf weniger Gegenwehr stoßen würde und eröffnete abermals ein Geschäft mit unverändertem Warenangebot auf der Hohen Straße. Die Antifaschistische Union Dortmund und das Antifaschistische Bündnis 28.03. klärten über die Presse die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger auf und nachdem bereits kurz nach seiner Eröffnung die Schaufenster des „Goaliat“ in Mitleidenschaft gezogen wurden und der Protest gegen den Laden weiter anhielt, sah sich Kellerhof abermals dem Druck nicht gewachsen und schloss sein Geschäft schon nach kurzer Zeit wieder.
Ein in diesem Kontext an den BVB gerichteter offener Brief der Antifaschistischen Union führte sogar dazu, dass der Verein das Tragen von „Thor Steinar“ Kleidung innerhalb des Westfalenstadions verbot. Solche Erfolge machen deutlich, dass konsequente antifaschistische Gegenwehr nicht nur der öffentlichen Selbstinszenierung der Neonazis ein Ende machen kann, sondern auch ihre Strukturen nachhaltig schwächt.

Das Neonaziproblem aufgrund dieser Einsicht zu unterschätzen oder zu glauben, die Lage in Dortmund hätte sich grundlegend verbessert, wäre jedoch völlig falsch. Denn die „politische“ Praxis der erlebnisorientierten Autonomen Nationalisten ist durch ein Moment geprägt, das auch in ihrer Ideologie einen hohen Stellenwert einnimmt: Gewalt. Ihre politische Bedeutungslosigkeit hilft denen, die von ihnen überfallen, gejagt oder zusammengeschlagen werden, herzlich wenig. Dies gilt z.B. für die Besucher der Gaststätte “Casablanca” in der westlichen Dortmunder Innenstadt. Die überwiegend von MigrantInnen besuchte Gaststätte wurde in der Nacht zu Samstag den 17. November 2007 von etwa 30 Neonazis unter Einsatz von Schlagstöcken, Pflastersteinen und einer Schusswaffe angegriffen. Ebenso sind die mittlerweile zahlreichen Überfälle auf die Innenstadtkneipe Hirsch Q und unzählige Pöbeleien und Angriffe auf Jugendliche, die von den Neonazis als Linke ausgemacht wurden zu erwähnen. Die Präsenz der Neonazis, die sich mittlerweile immer öfter in der im Brückstraßenviertel gelegenen „Coronita-Bar“ einfinden, in der Dortmunder City stellt somit ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Ein Problem, das durch die Tatsache erschwert wird, dass offenbar viele Partywütige, die sich in Dortmund die Nächte vertreiben, entweder die Neonazis gar nicht als solche erkennen, weil zumindest die Autonomen Nationalisten mittlerweile aussehen wie Skater oder Antifas, oder weil sie sich an ihnen schlichtweg nicht stören. Dabei wäre es gerade wichtig, dass die Neonazis in aller Deutlichkeit zu spüren bekommen, dass sie unerwünscht sind und dass ihre Anwesenheit keine Duldung erfährt. Deshalb muss sich in Dortmund wieder eine starke antifaschistische Jugend formieren und als solche in Erscheinung treten. Junge Antifaschistinnen und Antifaschisten müssen überall dort, wo die Neonazis sich ungestört bewegen zu können glauben, also in der Innenstadt, im Stadion oder auf der Kirmes, präsent sein und ihnen die Räume entreißen. Es gibt in Dortmund keine „national befreiten Zonen“, aber es gilt, diesen Status quo nicht bloß zu verteidigen, sondern im Gegenteil no-go-areas für Neonazis zu erkämpfen. Der Wille eines jeden einzelnen ist dafür notwendig. Ebenso wichtig ist es aber, dass wir uns organisieren! Denn nur gemeinsam sind wir stark und können erfolgreich gegen die Neonazis in dieser Stadt kämpfen und sie aus dem öffentlichen Raum vertreiben.

Organisiert euch! Bildet Banden! Schlagt zurück!
Für einen Antifaschismus, der den Neonazis Beine macht!

Podiumsdiskussion "Zwischen Tradition und Emanzipation - Chancen bei der Entwicklung neuer Lebenskonzepte kurdischer Frauen in Deutschland"

am 3.April.2008 3. April 2008, 17:00-21:00 Uhr, Clubraum VHS Bochum, Willi-Brandt-Platz 2, 44787 Bochum

Eine Veranstaltung von Zentrum für Kurdische Studien e.V.
Navend ji bo Lêkolînên Kurdî
Center for Kurdish Studies
Centre des Etudes Kurdes

Zum Thema

Im Rahmen der Integrationsdebatte in Deutschland widmen sich Wissenschaft, Praxis und Politik zunehmend der Situation von Frauen mit Migrationshintergrund. Obwohl Migration von Frauen kein neues Phänomen ist, wurde noch nie so intensiv über Migrantinnen diskutiert wie heute. Dennoch bleibt die öffentliche Debatte über Migrantinnen häufig
auf Themen wie Unterdrückung, Zwang und Gewalt beschränkt.
Dabei werden sie meist empört als Opfer oder bedauernd als Mitglieder einer fremden, zugleich unantastbaren
Kultur angesehen. Ihre Migrationshintergründe, ihre Situation in Deutschland und ihre Perspektiven sind jedoch
vielfältig. Kurdische Migrantinnen werden zudem in der Öffentlichkeit oft nicht als solche wahrgenommen, sondern
pauschal nationalstaatlichen Kategorien wie "Türkinnen", "Iranerinnen" oder aber „dem“ Islam zugeordnet. Eine differenzierte Sichtweise bezüglich der Lebenssituation von Kurdinnen ist daher notwendig.
Ziel dieser Veranstaltung ist es, neben problematischen Aspekten wie Zwangsheirat und "Ehrenmorden" auch und besonders Ressourcen und besondere Potentiale von Migrantinnen zu thematisieren. Neben Expertinnen aus der Wissenschaft werden Vertreterinnen aus der Frauen- und Integrationsarbeit, der kommunalen Verwaltung sowie der Landespolitik zu Wort kommen. Gemeinsam sollen die Chancen und Möglichkeiten, die sich Frauen in der Migration bei
der Entwicklung neuer Lebensentwürfe bieten, diskutiert und mögliche Hindernisse kritisch betrachtet werden.
Wir laden Sie herzlich zu unserer Podiumsdiskussion mit anschließendem Kulturprogramm nach Bochum ein!

Programm

17:00 Begrüßung
Dagmar Kaplan, Vorstand NAVEND e.V.
Angela Siebold, Vorsitzende des Frauenbeirates der Stadt
Bochum

17:15 Keynote
Prof. Dr. Ilse Lenz, Ruhr-Universität Bochum Geschlechterverhältnissse in der Migration

17:30 Podiumsdiskussion
Regina Czajka, Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt Bochum
Cinur Ghaderi, psychologische Psychotherapeutin und Journalistin
Khonafa Hajo, IFAK - Multikulturelle Jugend-, Familien-, und Seniorenarbeit e.V.
Farha Khalil, Jiyan – Internationale Initiative zur Vermeidung von Zwangsheirat und Ehrenmord an Kurdinnen e.V.
Maria Westerhorstmann, MdL, CDU-Landtagsfraktion NRW (angefragt)
Moderation: Berivan Aymaz, NAVEND e.V.

19:30 Imbiss und Kulturprogramm
21:00 Ende
* * *
Zur besseren Planung würden wir uns über eine Anmeldung zur Veranstaltung bis Montag, den 31.03.2008, telefonisch oder schriftlich per Fax, Email, online oder auf dem Postweg freuen.

Bornheimer Straße 20-22, 53111 Bonn
Tel: 0228 / 65 29 00
Fax: 0228 / 65 29 09
Email: Berivan.Aymaz@navend.de / info@navend.de
Website: www.navend.de

Bochum - Aktion zu Sozialabbau und Krieg

Das Bochumer Sozialforum und das Bochumer Friedensplenum informieren am morgigen Samstag mit einer gemeinsamen Aktion in der Innenstadt über Sozialabbau, Armut, Steuerhinterziehung und Lehrstellenmangel in Deutschland einerseits und über die weltweiten Kriegseinsätze der Bundeswehr andererseits. Das Sozialforum verteilt eine neue Ausgabe seiner Zeitschrift “Schöne Welt”. Die Zeitung als PDF-Datei. Das Friedensplenum mobilisiert vor allem für den Ostermarsch. Auch hierzu gibt es eine Zeitung, die als PDF-Datei vorliegt. Die Aktion beginnt um 12.30 Uhr auf der Kreuzung Kortumstraße / Huestraße und wird um 15.00 Uhr beendet.

Die europäische Sicherheitsarchitektur einstürzen

Für mehr sicherheitskritisches Verhalten in Europa – Ein Vorschlag zum Widerstand gegen den G8 2009 in Italien

Aus dem Widerstand gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm lassen sich, wie auch bei anderen Protesten zuvor, Schlussfolgerungen zum Gelingen einer breiten Mobilisierung ziehen. Neben den drei großen selbstorganisierten Protest-Camps und einer internationalen Infotour im Vorfeld des Gipfels wurde eine internationale Bezugnahme und Vernetzung durch ein Vorbereitungscamp und Treffen außerhalb Deutschlands versucht. Innerhalb der Bewegungen wurde entschieden, sich nicht auf die G8-Klima-Debatte einzulassen und stattdessen die Proteste unter eigene Kampagnen-Themen zu stellen: Migration, Antimilitarismus und Globale Landwirtschaft.

Mit diesem Text wollen wir einige dieser Punkte mit Blick auf den G8 2009 in Italien aufgreifen und eine Kampagne gegen eine “Europäische Sicherheitsarchitektur” vorschlagen. Wir skizzieren Entwicklungen polizeilicher Zusammenarbeit auf EU-Ebene und wünschen uns eine europäische Antirepressionsarbeit, die über eine bloße Kritik und Skandalisierung von Polizeigewalt hinausgeht. Diese politische Antirepressionsarbeit muss neue Formen sozialer Kontrolle als integralen Bezugspunkt von radikalen Bewegungen ernst nehmen.


No Future für Freiheit

Spätestens nach dem 11. September 2001 haben sich nicht nur die außenpolitischen Koordinaten der EU verändert. Unter der Devise “Terror comes home” wurden seitdem weit reichende Veränderungen europäischer Innenpolitik und Polizeiarbeit hin zu einem “präventiven Sicherheitsstaat” beschlossen. Während die EU-Außengrenzen mit neuer Technik und grenzüberschreitender Zusammenarbeit weiter abgeschottet werden, nehmen Überwachung und Kontrolle innerhalb der EU stetig zu.

Dazu kommen militärische und polizeiliche Auslands-Operationen der EU in sogenannten “Drittstaaten”. Die EU will Modell stehen für einen Sicherheitskomplex, den sie als “Servicanbieter” in andere Länder exportieren kann. Diese Zuspitzung richtet sich nicht nur gegen MigrantInnen und “sicherheitskritisches Verhalten”. Sie bietet willkommene Spielräume, einer wiederaufflammenden globalisierungskritischen Bewegung ein paar Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Die Europäische Union definiert Europa seit 1999 als einen “Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts”. Zukünftig gibt es mehr polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Straf- und Zivilsachen. InnenpolitikerInnen träumen von einem EU-Innenministerium. Eine Schlüsselfigur europäischer Innenpolitik ist Franco Frattini, der “EU-Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit”. Frattini ist Mitglied der italienischen Berlusconi-Partei Forza Italia und Vizepräsident der Europäischen Kommission.

Auf polizeilicher Ebene haben Organe der EU mehr Kompetenzen erhalten, neue Institutionen und Programme sind entstanden. 2007 trat erstmals die sogenannte “Future Group” zusammen. Sie konstituiert sich aus den Innenministern der Länder die den EU-Vorsitz der nächsten 6 Jahre innehaben. Mit dabei auch EU-Kommissar Frattini und der Direktor der “Grenzschutzagentur” Frontex. Die “Future Group” bezeichnet sich selbst als “informell” und nimmt Einfluss auf innenpolitische Weichenstellungen in Bezug auf den EU-Vertrag und die Verhandlungen in Lissabon. Die Einrichtung der “Future Group” fiel zusammen mit der EU-Präsidentschaft Deutschlands im Jahr 2007. Unter dem Motto “Europa sicher leben” hat der deutsche Bundesinnenminister Schäuble erfolgreich an einer Verschärfung europäischer Innenpolitik gearbeitet (1).


Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Bisher war grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit nur zwischen einzelnen Ländern im “Vertrag von Prüm” geregelt und fand ihren Ausdruck z.B. beim G8-Gipfel 2003, als deutsche Polizei in Genf mit 500 Kräften und 5 Wasserwerfern gegen DemonstrantInnen eingesetzt war. Der “Vertrag von Prüm” war ein Test und wird nun in den “Rechtsrahmen der EU überführt”. Er ist damit für alle Mitgliedsländer gültig. Alle Polizeibehörden werden Zugriff auf DNA- und Fingerabdruckdateien sowie Fahrzeugregisterdaten haben. Informationsaustausch zu Terrorismusverdächtigen und reisenden Gewalttätern” wird vereinfacht, um Reisesperren zu verhängen oder damit “Randalierer schnell erkannt und festgenommen” werden können. Zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und in der Schweiz sind 2.000 deutsche PolizistInnen eingeplant. EU-Kommissar Frattini hat den Aufbau einer “EU-Spezialtruppe gegen Fußball-Gewalt” angekündigt. Sie soll bei der Europameisterschaft 2008 erstmals zum Einsatz kommen. Europol soll die Ausbildung dieser “speziellen europäischen Einheiten” übernehmen.

Europol als Schnittstelle polizeilicher Zusammenarbeit in Den Haag darf nun nicht mehr nur Daten sammeln und Polizeien der EU-Mitgliedsländer beraten. Durch einen EU-Parlamentsbeschluß vom Januar 2008 wird aus dem “Europäschen Polizeiamt” nun eine EU-Agentur zur “Koordinierung, Organisation und Durchführung von Ermittlungen und von operativen Maßnahmen”. Der Zuständigkeitsbereich erweitert sich von “organisierter Kriminalität” um “andere Arten schwerer Straftaten”, also auch politische Aktionen. Der Zugriff auf das “Europol-Informationssystem” erfolgt zukünftig ohne Umweg über “Verbindungsbeamte”. Diese “Verbindungsbeamte” werden von Polizeien aller Mitgliedsstaaten in europäische Kontroll- und Entscheidungsgremien entsandt. Dazu sind sie in polizeilichen Lagezentren bei Großereignissen vertreten. Sie haben offiziell eine “beratende Funktion”. Tatsächlich stellen sie wichtige Knoten im informellen Netzwerk europäischer Polizeikooperation dar. Sie haben Zugriff auf alle Datenbanken des Entsenderlandes und sind mit Kenntnissen z.B. von politischen Gruppen bei Gipfelprotesten ausgestattet. Verbindungsbeamte koordinieren z.B. Reisesperren, die zuletzt beim G8 2007 dazu führten dass 600 Personen nicht einreisen durften weil sie z.B. zuvor “im Zusammenhang mit G8 auffällig wurden”.


Europa – Ein Raum von Überwachung und Kontrolle

Die Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten wird ausgeweitet. In Deutschland haben das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz ein “Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum” bezogen, wo sie zwar räumlich getrennt sind, aber tägliche gemeinsame Lagebesprechungen durchführen und sich mittags in der Cafeteria treffen. Diese Kooperation führte zu einer massiven Überwachung der Anti-G8-Bewegung und der Einleitung von Ermittlungsverfahren mit Terrorismus-Vorwurf. Der deutsche Terrorismus-Paragraph erlaubt weitgehende Eingriffe in die Privatsphäre und führte z.B. zur Feststellung aller Mobiltelefone bei Treffen des linksradikalen dissent!-Netzwerks gegen den G8. Die Akteneinsicht Betroffener ergab dass die Ermittlungen zwar von der Polizei betrieben, aber vom Geheimdienst initiiert waren. “Gemeinsame Terrorismusabwehrzentren” sollen auf Vorschlag des deutschen Innenministeriums in allen EU-Mitgliedsstaaten entstehen.

Die Überwachung des Internets nimmt europaweit zu. Das deutsche Bundesinnenministerium hat eine europäische Initiative “check the web” zur Bekämpfung eines “internationalen Terrorismus” gestartet. Am 8. Mai 2007 hat Europol ein “Informationsportal” freigeschaltet. Deutsche Polizei und Geheimdienste wollen zukünftig eine gemeinsame “Internet Monitoring und Analysestelle” betreiben. Europaweit sollen solche “Internetüberwachungszentren” entstehen, die Webseiten zum Teil automatisiert überwachen und in polizeilichen Datenbanken archivieren.

Neue Software findet in diesen Datenbankeinträgen “Entitäten”, also begriffliche Übereinstimmungen oder Schnittstellen zwischen Personen und Objekten (“Semantische Technologien”). Die Sicherheitsindustrie entwickelt Programme, die sogar in unterschiedlichen Dateiformaten suchen kann. Damit können Text-, Audio-, Video- und GPS-Daten miteinander in Beziehung gesetzt werden. Verfolgungsbehörden einiger Länder nutzen bereits Software der Firma SPSS, die nach Auswertung von Datenbeständen eine “Vorhersage von Straftaten” ermöglichen soll. Die Firma beschreibt diesen Vorgang als die “Evolution in der Verbrechensbekämpfung”.

Mehr polizeiliche Repression und justizielle Verfolgung lässt sich auch in anderen Ländern Europas beobachten. In Italien wurden beispielsweise in zahlreichen Verfahren im Kontext des G8 2001 oder Demonstrationen gegen Militarismus und Faschismus Haftstrafen zwischen 6 und 12 Jahren verhängt. In anderen Ländern werden Polizeigesetze geändert, um Polizeien mehr Spielraum gegen “sicherheitskritisches Verhalten” zu verschaffen. Das neue österreichische Sicherheitspolizeigesetz vereinfacht rassistische Kontrollen von MigrantInnen. Die deutsche
Bundespolizei bekommt mehr Kompetenzen für Einsätze im Ausland, aber auch im Inland etwa gegen politische Proteste. EU-Mitgliedsstaaten setzen europäische Vorgaben um und “harmonisieren” ihre Landesgesetze beispielsweise im Rahmen der “Vorratsdatenspeicherung” (Data Retention).
Telekommunikationsanbieter und Provider müssen Verbindungsdaten speichern und der Polizei auf Anfrage übermitteln. Die Polizei ist damit in der Lage jede Kommunikation nachzuvollziehen und soziologische Beziehungs-Diagramme zu erstellen. Schutz vor Überwachung wird zunehmend eingeschränkt. So sind NutzerInnen von Verschlüsselung in Österreich und Großbritannien gesetzlich gezwungen der Polizei Paßwörter herauszugeben. InnenpolitikerInnen betreiben eine allgemeine Zusammenlegung aller polizeilichen Datenbanken europäischer Polizeien.


Institutionen und Forschungsprogramme der europäischen Sicherheitsarchitektur

Um massenhaften Widerstand etwa bei G8-Gipfeln besser kontrollieren zu können wurden neue Institutionen und Forschungsprogramme ins Leben gerufen. Europäische Polizeieinheiten führen gemeinsame Trainings und Manöver in der Bekämpfung von Demonstrationen durch. In europäischen Polizei-Akademien werden Einsatztaktiken für “Crowd Managment” entworfen. Eine zentrale Rolle spielt die Europäische Polizeiakademie, CEPOL, mit Sitz in Hampshire, Großbritannien: “CEPOL’s mission is to bring together senior police officers from police forces in Europe – essentially to support the development of a network – and encourage cross-border cooperation in the fight against crime, public security and law and order by organising training activities and research findings”.

Nach den Gipfelprotesten in Genua und Göteborg 2001 initiierte die EU 2004 das Forschungsprogramm “Coordinating National Research Programs on Security during Major Events in Europe” (EU-SEC). EU-SEC koordiniert Polizeibehörden von EU-Staaten und Europol und gibt ein Handbuch gegen Gipfelproteste heraus. Polizeien wird empfohlen, Protestbewegungen zu überwachen, Daten auszutauschen, Reisesperren zu verhängen und eine aggressive Medienstrategie zur Delegitimierung des Widerstands zu betreiben. Mittels Fragebögen werden Informationen über europäische Gruppen und Personen gesammelt: Aktionsformen, Webseiten, Mailadressen, internationale Kontakte, bevorzugte Reisewege, Transportmittel und Unterkünfte. EU-SEC wird koordiniert und gesteuert vom “United Nations Interregional Crime and Justice Research Institute” (UNICRI). Unter dem Motto “Advancing security, serving justice, building peace” unterhält das UN-Institut mehrere Arbeitsgruppen zu Themen rund um Sicherheit.

UNICRI gibt das “Counter-Terrorism Online Handbook” heraus. Beim UNICRI angesiedelt ist eine Arbeitsgruppe “International Permanent Observatory on Security during Major Events” (IPO) mit Sitz im italienischen Turin.

Das IPO berät Regierungen bei der Planung der Sicherheitsarchitektur für Großereignisse. Die Inanspruchnahme ist für die anfragende Behörde kostenlos. Zur Zeit wird an einem “Handbuch für G8-Staaten” gearbeitet. Offizielle Einsatzgebiete seit der Gründung 2006 waren bisher die G8-Gipfel in St. Petersburg und Heiligendamm, der Weltbank-/ IWF-Gipfel in Singapur und das APEC-Treffen in Vietnam. Auch die Olympiade 2008 in Peking sowie der G8-Gipfel in Japan 2008 werden vom IPO “betreut”.


Ein stark gekürzter Auszug des Unterstützungsangebots:

* Aufklärung: Geheimdienstdatenbanken, Ziel- und Problemidentifizierung, Erhalt und Auswertung von Informationen, Internet- und Telekommunikationsangelegenheiten

* Notfallplanung und Krisenmanagement: Strafverfolgungsplanung, Festnahmen und Gerichtsmassnahmen, Beschwerden gegen Polizei und Sicherheitskräfte » Verkehrsmanagement: Automatische Kennzeichenerkennung
* Kommandogewalt und Kontrolle: IT Infrastruktur, Videoüberwachungsanlagen, Kommandozentralen, Gegenangriffe für Cyber-Attacken
* Planausarbeitung und Projektmanagement: Rekrutierung von Planungspersonal, Finanzmanagement
* Sicherheit am Veranstaltungsort: Zäune, Absperrungen, Schranken und Tore, Gegenangriffe, Reaktionen auf öffentliche Unordnung, Pferde und Hunde, Handhabung von Menschenmassen, Strategien für “schwache Ziele” wie z.B. Sponsoren und Medienzentren sowie Hotels
* Medien- und PR Strategien: Pressebeziehungen, Medienbeziehungen, Einbezug der lokalen Gemeinden, Geschäftsinteressenten
* Schutz von wichtigen Personen: geheimer Schutz, Management von Roten Zonen, Konvoi-Management, Evakuierungsplanung, Gatten/Partnerprogramme
* Luftraumunterstützung: Hubschrauberoperationen, Luftraumobservation und Logistik
* Logistik und personelle Ressourcen: Unterkunft und Ausrüstung, Transportzeitplanung, Erholung und Essensversorgung


Border Control: Migrationskontrolle wird militarisiert

Mit der Erweiterung der EU-Mitgliedsländer und dem Wegfall von Grenzkontrollen werden die neuen EU-Grenzen technisch aufgerüstet:

Nachtsichttechnik, automatisierte Auswertung von Videoüberwachung, Hochfrequenzkabel die den Wassergehalt von in der Nähe befindlicher Körper messen und weitergeben. Neue gemeinsame Lagezentren sind entstanden. Durch die Ausweitung des Schengen Informationssystems II (SIS II) stehen den Polizeien mehr Daten zur Verfügung. Im Visum Informationssystem (VIS) sollen Fingerabdrücke und biometrische Daten von MigrantInnen gespeichert werden. InnenpolitikerInnen beklagen die unzureichende polizeiliche Kontrolle von MigrantInnen und wünschen sich
den Einsatz von RFID-Chips (Chips mit Radiowellen) in Reisepässen. Die Chips könnten etwa an öffentlichen Orten InhaberInnen abgelaufener Visa akustisch identifizieren, ohne dass der Pass vorgezeigt werden müsste.

Mit der Gründung der “Grenzschutzagentur Frontex” in Warschau hat die EU-weite “Migrationsabwehr” ein weiteres Standbein bekommen. Der Generaldirektor Ilkha Laitinen, ein finnischer Grenzoffizier, fasst das “Integrated Border Management” von Frontex mit dem folgendem Kriterium zusammen: “Alle, die es nicht verdienen und die man nicht auf seinem Territorium haben will, müssen aufgehalten werden”. In einem “Risikoanalysezentrum” werden Flüchtlingsbewegungen prognostiziert, Informationen an beteiligte Grenzschutzpolizeien weitergegeben und Maßnahmen “empfohlen”. Frontex führt ein “technisches Zentralregister” (“Toolbox”) für Ausrüstung der Mitgliedstaaten zur Kontrolle und Überwachung der Außengrenzen. Frontex führt gemeinsame Operationen mit nationalen Polizeien durch (“Frontex Joint Support Teams”). Zwar verfügt Frontex über keine eigenen Einheiten zur Flüchtlingsbekämpfung.

Grenztruppen der Mitgliedsländer werden aber massiv aufgerüstet. So haben die italienischen Carabinieri neue Boote, Hubschrauber und Überwachungstechnik erhalten. Im Zentralregister von Frontex sind nach eigenen Angaben 115 Schiffe, 27 Hubschrauber, 21 Flugzeuge eingetragen.

Neben Trainings führt Frontex Forschungsprogramme durch. So wird etwa der Einsatz von “Drohnen” zur Überwachung der Grenzen untersucht und empfohlen. Direktor Laitinen wünscht sich zukünftig eigenes Material und operative Kräfte.


Polizeiliche Aufstandsbekämpfung außerhalb der EU

Der Vertrag von Lissabon sieht “Reformen” auch im Bereich der Militärpolitik vor. Die “Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik” (ESVP) fordert eine “schrittweise Verbesserung der militärischen Fähigkeiten”. Spätestens 2010 soll die EU bewaffnete Einheiten bereitstellen. Die erste EU-Battlegroup wurde im Januar 2007 für vollständig einsatzfähig erklärt, eine andere war bereits 2006 maßgeblich am EU-Militäreinsatz in Kongo beteiligt. Die EU hält allerdings ein weit weniger beachtetes Mittel zur Intervention in “Drittstaaten” vor: Die “Europäische Gendarmerietruppe” (EGF). Die EGF ist eine paramilitärische Polizeieinheit, ihre Einrichtung wurde auf den G8-Gipfeln 2002 und 2004 beschlossen. Sie soll innerhalb von 4 Wochen 3.000 PolizistInnen mobilisieren können. Truppen stellen bisher die Niederlande, Frankreich, Spanien, Italien und Portugal. Die EGF soll nach Militäreinsätzen in Krisengebieten die polizeiliche Kontrolle übernehmen und die “Öffentliche Ordnung” beim “Auftreten öffentlicher
Unruhen” gewährleisten. Der Einsatz von Polizei im Ausland gilt als “Ziviles Instrument”. Bisher ist die Wahrung der “Öffentlichen Ordnung” in “Drittstaaten” Aufgabe der Militärs, die bereits mit polizeilichen Einheiten zusammenarbeiten. In Bosnien wurden z.B. Angehörige der deutschen Bundeswehr von italienischen Carabinieri ausgebildet. Zu den offiziellen Aufgaben der EGF gehört z.B. “das gesamte Spektrum polizeilicher Einsätze, zivile Befehlsgewalt oder militärisches Kommando, Kontrolle lokaler Polizeibehörden, Strafermittlungstätigkeiten, Tätigkeiten zur geheimdienstlichen Informationsbeschaffung, Schutz des Eigentums” etc. Das Statut der EGF schließt einen Einsatz innerhalb der EU nicht aus. Das Hauptquartier der EGF ist im italienischen Vicenza in einer Kaserne der Carabinieri untergebracht. Ebenfalls in Vicenza unterhält die Polizeitruppe eine eigene Akademie (COESPU), auf der die eigenen Kräfte sowie Einheiten anderer Länder ausgebildet werden. Die Akademie wird von den G8-Staaten finanziert. Bei der COESPU erhielten auch pakistanische und kenianische Polizeiführer eine Ausbildung in “Riot Control”, die im Dezember 2007 Hunderte DemonstrantInnen das Leben kostete.


Die Bedeutung für radikale Bewegungen

Die Unterscheidung zwischen Völkerrecht im Frieden und Völkerrecht im Krieg passt nicht mehr auf die neuen Bedrohungen”, erklärt der deutsche Innenminister Schäuble. “Die Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit ist obsolet”, pflichten die deutsche Kanzlerin und der Chef des Bundeskriminalamts bei. Was bedeuten diese Entwicklungen für die politische Praxis von radikalen Bewegungen im Allgemeinen und der europäischen globalisierungskritischen Bewegung im Besonderen, außer “noch mehr Repression”? Eine Auseinandersetzung mit Repression muss ein integraler Bestandteil einer radikalen Bewegungspraxis sein. Deutlich wird, dass sich die Spielräume für linke Intervention durch den Sicherheitswahn nach dem 11.September nicht gerade vergrößert haben. Wir denken, dass es nicht nur das Tempo oder das Ausmaß der Maßnahmen ist, das sich verändert. Die gesamte gesellschaftliche Matrix, in der linksradikale Politik gemacht wird, gerät in Bewegung. Die Qualität von Überwachung und sozialer Kontrolle hat eine andere Form angenommen. Das hat neben neuen technologischen Möglichkeiten vor allem zu tun mit transnationaler Koordination von Kontrollinstanzen und der politischen “Verschränkung innerer und äußerer Sicherheit”. “Krieg” und “Repression” sind dann irgendwann von gestern, heutzutage dreht sich alles um “Sicherheit”. Gleichzeitig sehen wir jedoch auch konkrete Möglichkeiten,

die sich vollziehende Einengung von Bewegungsräumen als Chance für neue Bündnisse zu begreifen, die breite gesellschaftliche Diskussionen und unerwartete Interventionen ermöglichen. Eine Verknüpfung von klassischer Antmilitarismus-, Antirepressions- und Migrationspolitik liegt jedenfalls auf der Hand. Und die Tatsache, dass das Ausmaß der neuen Maßregeln und Institutionen bis weit in den Alltag einer jeden Europäerin hineinreicht dürfte genügend Anknüpfungspunkte bieten, einen pro-aktiven Ungehorsam gegenüber der europäischen Sicherheitsarchitektur auszutragen. Unseres Erachtens bietet der G8-Gipfel 2009 hier einige
Anknüpfungspunkte.


Gegen die europäische Sicherheitsarchitektur

Der G8 in Italien böte die Möglichkeit, die internationale polizeiliche Koordinierung gegen Gipfelproteste öffentlich zu machen und zu kritisieren. Einige dieser Maßnahmen und Institutionen wurden unter der Regie und Kontrolle des ehemaligen italienischen Außenpolitikers Frattini, dem gegenwärtigen “EU-Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit” installiert. Das EU-SEC-Programm gegen politische Massenproteste nahm nach dem G8 in Genua seinen Anfang. Die UN-Initiative “International Permanent Observatory on Security during Major Events” wird von Turin aus koordiniert. Wir gehen davon aus dass der G8 2009 nach den Erfahrungen des G8 2001 für alle diese Einrichtungen ein Prestige-Projekt wird. Ihre Vorbereitungen für den G8 2009 dürften längst begonnen haben.
Würden sich italienische Bewegungen für Militarismus als ein prominentes Mobilisierungsthema gegen den G8 entscheiden, könnte diese Kritik einer militarisierten Außenpolitik zusammengehen mit dem Widerstand gegen die neuen Koordinaten einer europäischen Innenpolitik. Widerstand gegen diese “Verpolizeilichung innerer und äußerer Sicherheit” könnte an der Bewegung gegen die NATO-Basis Dal Molin im italienischen Vicenza anknüpfen. Es gibt eine jahrelange Protestbewegung gegen den Ausbau der Basis, die bereits zu einigen Großdemonstrationen mobilisiert hat. Vicenza als Sitz der Europäischen Gendarmerietruppe könnte fortan ebenso ein Symbol für den Widerstand gegen die paramilitärische Organisierung europäischer Polizei werden. Hinzu kommt, dass nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo mit “Eulex” die größte EU-Polizeimission mit 2.000 Polizeikräften, hauptsächlich aus Deutschland und Italien, beschlossen wurde. 700 von ihnen sollen bei Demonstrationen eingesetzt werden. Von italienischer Seite dürfte diese Aufgabe von den Carabinieri-Einheiten der EGF übernommen werden. “Eulex” unterstützt die KFOR-Truppen der NATO im Kosovo mit dem Aufrechterhalten der “öffentlichen Ordnung” und verbindet militärische mit “ziviler” Intervention.


Antimilitaristische Bewegungen haben eine ambitionierte Agenda für die nächsten 1 1/2 Jahre. Ein Auszug:

* Im März 2008 wird vor dem NATO-Hauptquartier in Brüssel demonstriert (“Bombspotting”)
* Im April 2008 finden Proteste gegen den 20. NATO-Gipfel in Bukarest statt
* Im Mai 2008 will die “Parlamentarische Versammlung der NATO” (“kleine Schwester der NATO”) ihre Frühjahrstagung in Berlin abhalten.
* Am 5. Juli 2008 findet im Rahmen der Proteste gegen den G8 in Japan ein Internationaler Aktionstag statt, den japanische Anti-Kriegs-Gruppen vorbereiten
* Im Sommer 2008 gibt es in Deutschland ein Widerstandscamp gegen die Einrichtung eines Flugfeldes zum Trainieren von Bombenabwürfen (“Bombodrom”)
* 2009 jährt sich die Gründung der NATO zum 60ten Mal. Die “Feierlichkeiten” finden in Frankreich statt. Die Mobilisierung gegen den G8 2009 könnte diese Proteste verlängern und mit der italienischen antimilitaristischen Bewegung verbinden.

Die Mobilisierung nach Italien wird einen Umgang mit der Erinnerung an die Tage und Nächte von Genua finden müssen. Vermutlich werden etliche AktivistInnen wegen Erfahrungen mit Polizei und Carabinieri (oder auch nur Berichten ihrer FreundInnen) nicht an einem G8-Protest in Italien teilnehmen wollen. Viele fühlen sich seitdem traumatisiert, vielleicht lässt sich das sogar für die Bewegungen des “Summer of Resistance” in Göteborg und Genua 2001 verallgemeinern. Mit dieser Traumatisierung wäre ein Ziel polizeilicher Repression erreicht: Die Unterbindung von
Protest. Eine der möglichen Strategien zur Überwindung eines Traumas ist das Erinnern und Wiedererzählen. Eine Mobilisierung gegen militarisierte europäische Außen- und Innenpolitik könnte z.B. die Rolle der paramilitärischen Carabinieri in Genua verbinden mit ihrer gegenwärtigen Einbindung in die “europäische Sicherheitsarchitektur” (Frontex, EGF).

Es ist davon auszugehen, dass 2009 noch nicht alle Hauptverfahren rund um den G8 in Genua gegen DemonstrantInnen und Angehörige der Polizei abgeschlossen sind. Verurteilte AktivistInnen gehen in Revision.
Vermutlich wird die Öffentlichkeitsarbeit zu diesen Prozessen in die Mobilisierung 2009 integriert.

Im September 2008 findet im schwedischen Malmö das Europäische Sozialforum statt. Dort soll es ein Panel zu Repression geben. Wir schlagen vor, das Sozialforum wie auch ein geplantes paralleles autonomes Treffen als eine der Etappen für eine europäische Koordinierung von polizeikritischen Gruppen, Antirepressionsinitiativen und solidarischen JuristInnen zu nutzen. Dort könnten innenpolitische Entwicklungen von Überwachung und Kontrolle in Europa zusammengetragen werden. Interessieren würde uns z.B., welchen Widerstand es in Europa
gegen die “Europäische Sicherheitsarchitektur” gibt, wie Forderungen in anderen Ländern in die Öffentlichkeit getragen werden, wie sich auf Grund- und Freiheitsrechte bezogen wird. Daran anknüpfend könnten gemeinsame Perspektiven ausgelotet werden. Vielleicht könnte aus diesem Treffen auch eine europäische Vernetzung zur Antirepressionsarbeit beim G8 in Italien hervorgehen.

Dieser Text ist als eine Skizze zu verstehen, die einen Beitrag zum internationalen Gipfelprotest 2009 liefern möchte. Bestimmt ist es auch genauso plausibel, statt eine Kritik der europäischen Sicherheitsarchitektur eher Migration, Prekarisierung oder radikale, antikapitalistische Positionen zu Klimapolitik in den Mittelpunkt unserer Proteste zu rücken. Bisher sind noch keine Überlegungen zur Mobilisierung gegen den G8 2009 über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. Über mehr englischsprachige Berichte, Positionen und Diskussionen freuen wir uns. Wir sind erreichbar über euro-police [at] so36.net.

/Activists from Gipfelsoli | Prozessbeobachtungsgruppe Rostock | MediaG8way/

1 “Europa sicher leben | Living Europe Safely | L’Europe, bien sûr(e)”:

http://euro-police.noblogs.org/gallery/3874/Europa_sicher_leben.pdf